Pastor Kai-Steffen Völker : Unbekanntes Grab von Pommernherzog entdeckt

Bei Sanierungsarbeiten in der Wallfahrtskirche in Kenz sind zwei noch unbekannte Grabkammern entdeckt worden. In einer soll Pommernherzog Barnim VI. begraben sein.

von
20. Dezember 2010, 08:27 Uhr

"In einer soll Pommernherzog Barnim VI. begraben sein", sagte Pastor Kai-Steffen Völker. Experten sprächen von einem sehr bedeutenden Fund, so Völker. Pommerns Geschichte wurde in der DDR nicht beachtet. "Der Fund ist deshalb von großer Bedeutung, weil die Pommernherzöge zu der Zeit nach dem Kaiser das bedeutendste deutsche Adelsgeschlecht waren", sagte Völker.Barnim VI. wurde um 1365 geboren, war Herzog vom Pommern-Wolgast und Barth, wo es ein Schloss gab. Er starb 1405 an der Pest. Der Herzog war mit Veronika von Hohenzollern verheiratet und hatte drei Kinder. Er galt als Unterstützer der Vitalienbrüder, zu denen auch der Freibeuter Klaus Störtebeker gerechnet wird.

Kenz war wegen einer angeblich heilkräftigen Quelle bis ins 15. Jahrhundert ein gefragter Wallfahrtsort und im 18. Jahrhundert ein bekannter Kurort für viele Adlige. Der spektakuläre Fund ist ein Zufall. "Die für ein Dorf sehr große Kirche hat Feuchtigkeitsprobleme und wir wollten die Außenmauern von außen und innen trockenlegen", erzählt Völker. Dabei wurde Schwamm im Gestühl entdeckt. So mussten die Podeste, auf denen die Bänke standen, abgetragen werden. Dabei wurde auch der Fußboden bis zu 20 Zentimeter tief ausgehoben. "So stießen wir auf die beiden Gruften", sagte Völker.

Die eine, in der der Pommernherzog liegen soll, stehe voll Wasser, das bisher eine genaue Erkundung des 2,50 Meter langen Raumes verhindere. Die zweite Gruft habe vermutlich für Begräbnisse der Herzogsfamilie gedient, sei aber eingefallen. Völlig unerwartet sei der Fund nicht, erklärt Völker. In der Kirche steht seit Jahrhunderten ein Scheinsarkophag mit einer hölzernen Nachbildung von Barnim VI.. Zudem gebe es Überlieferungen, die auf eine Begräbnisstätte in der Kirche deuteten. Trotzdem haben die jetzigen Arbeiten die einst große Bedeutung der Kenzer Wallfahrtskirche noch untermauert, meint Völker. So seien Fundamente für etwa fünf Nebenaltäre gefunden worden. Die genaue Auswertung durch die Bauhistoriker stehe noch aus.

Die Backsteinkirche Kenz ist 35 Meter lang und hat einen 40 Meter hohen Turm. Als besonders wertvoll gelten die Glasmalereien in sechs Chorfenstern, die den größten Bestand mittelalterlicher Glasmalerei in Mecklenburg-Vorpommern darstellten. In der Nähe gibt es noch immer die Quelle, für die 2003 eine historische Brunnenanlage neu aufgebaut wurde.Für die Kirchengemeinde selbst hat der Fund auch die berühmte zweite Seite der Medaille: Die Arbeiten sind wegen der denkmalpflegerischen Bedeutung erst mal gestoppt - und werden teurer als geplant. "Ursprünglich sollte es 75 000 Euro kosten, jetzt wird es wohl doppelt so teuer", hat Pastor Völker schon mal schätzen lassen. Denn nun müsse der Fußboden und das Gestühl ebenfalls erneuert werden. "Das sind 350 Quadratmeter Grundfläche", erläutert der Pastor den Umfang der Arbeiten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen