Unauffällig gefährlich

Unter verstärkten Sicherheitsmaßnahmen informierte die Freie Journalistin Andrea Röpke am Mittwochabend in Ludwigslust über die neue Gefahr von Rechts. Ein neonazistischer Verein verstärkt seine Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern, auch im Landkreis Ludwigslust. Vertreter aus dem Land zeigten sich über Kult und Organisation der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend) erschüttert.

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05. Juni 2008, 09:04 Uhr

Ludwigslust - Andrea Röpke ist eine Kämpferin, auch wenn sie den Begriff nicht mag. Kampf, so sagt sie immer wieder, sei einer der zentralen Begriffe der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend). Dieser rechtsextreme Jugendverband sei eine der größten Bedrohungen besonders für Mecklenburg-Vorpommern.

Jenes Bundesland, dass ein Zuzug von Führern der NPD ertragen muss, so die freie Journalistin, die unter anderem auch für das ARD-Magazin Panorama arbeitet und die HDJ seit 1994 beobachtet. Ihre Berichte, Fotos und Filme erschrecken die Zuhörer. Der Verein ist bundesweit aktiv, dabei zeichnet sich ein Schwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Lager, die einem Pfadfindertreffen ähneln, sollen nach HDJ-Lesart „die nationalsozialistische Jugend zusammen bringen, schulen, abhärten und für eine Karriere in Führungskadern vorbereiten“. Auch in unserer Region fanden diese Lager schon statt. Die Jungen mit Hose, die Mädchen mit langem Kleid – das Tragen von richtigen Uniformen ist der Organisation verboten.
„Rituale, wie Märsche, Gedenkfeiern, Fahnenappelle und Volkstänze, sollen den gemeinsamen Geist stärken für den Kampf gegen das verhasste System der BRD“, so die Journalistin. Es sei schwierig diese Jugendlichen im Alltag zu erkennen. Auffällig sei, dass sie keine Anglizismen verwenden.

Landesbrandmeister Heino Kalkschies befürchtet, dass Feuerwehren wegen ihrer guten Vernetzung zunehmend von Rechtsextremen unterlaufen werden. Er werde mit Aufklärungskampagnen sensibilisieren. Das Thema sei besonders brisant, da in Greifswald, dem so genannten „Einsatzzentrum Nord“ des HDJ, schon rechte Strukturen beim Technischen Hilfswerk entdeckt worden seien.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Schullandheime, Bernd Karsten, zeigte sich ebenfalls besorgt und wird in seinen Herbergen auf die Aktivitäten der HDJ hinweisen. Der Verfassungsschutzbericht des Innenministeriums widmet der HDJ lediglich einen kurzen Absatz, indem Aktivitäten aufgelistet werden und auch der enge Kontakt zum Landesverband der NPD Erwähnung findet.

Entgegen aller Klischees, stammen die Mitglieder der HDJ aus akademischen Kreisen.
„Leider erfahren wir von Lagern oft viel zu spät oder gar nicht“, bemängelt Röpke und fordert die Bevölkerung auf, schnell, aber vor allem klug zu reagieren. Ein Anruf bei der örtlichen Polizei genügt, so Andrea Röpke.

Geschützt wurde der Informationsabend von der Polizei, da der Veranstalter rechtsextreme Anhänger befürchtete.


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