Umweltämter gegen Hafenerweiterung – doch Wirtschaft geht vor

Rostocks Hafen platzt aus allen Nähten. Drei freie Flächen sollen jetzt in Bauland umgewandelt werden. Doch diesem Plan widersprechen das Grün- und das Landesforstamt massiv. Flora und Fauna würden unwiederbringlich zerstört. Das letzte Wort hat die Bürgerschaft.

svz.de von
29. Oktober 2008, 07:29 Uhr

Rostock - Wenn man den Hinweisen von Rostocks Grünamt folgt, dann wird mitten im Gewerbegebiet Seehafen ein grünes Idyll für Pflanzen und Tiere zerstört, das es so in Rostock kein zweites Mal mehr gibt. Ein Niedermoor am Breitlingsufer mit Salzeinfluss. Das daran streng angepasste geschützte Artenvorkommen sei nicht ersetzbar, heißt es in dem Kommentar des Amtes zum neuen Flächennutzungsplan Seehafen.

Die Stadt will die letzten drei Grüngebiete von insgesamt 22 Hektar im Hafen in Gewerbeland umwidmen. Eine Veränderung für die nördlichste davon – die moorige Fläche zwischen Öl- und Chemiehafen – provoziert den Widerspruch des Grünamtes. „Es ist unsere Pflicht, auf die Konsequenzen hinzuweisen“, sagt Amtsleiter Stefan Neubauer. Nämlich das Ende für geschützte Flora und Fauna. „Das lehnen wir ab.“

Mischwald über Jahrzehnte gewachsen
Auch das Landesforstamt gefällt nicht, was im Seehafen passieren soll. Denn aus dem zweiten der drei Grünflächen sei im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte ein gesunder Mischwald zwischen Industriehallen entstanden. Weide, Erle, Birke. Der Chef des Landesforstamts Bernhard von Finckenstein geht noch weiter. Rostock dürfte deshalb nur bauen, wenn es seine Behörde erlaubt. Und nur dann, wenn die Stadt für angemessenen Ersatz sorgt – und zwar im Seehafen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Wirtschaft muss sich die Bürgerschaft am 19. November auf eine Seite schlagen. Dabei gilt die Entscheidung zu Gunsten der Planierraupen als sicher. Zuletzt hatte der Bauausschuss der Stadt einstimmig dafür votiert – zumal der Hafen immer wieder handfeste ökonomische Argumente geltend macht. Zwar gehen die Entwicklungsprognosen noch weit auseinander. Klar ist allerdings, dass der Umschlag in Rostocks Seehafen und damit auch das Hafengebiet massiv wachsen werden.

Aus diesem Grund sieht das Stadtplanungsamt keine Alternative. Es geht um Arbeitsplätze und Wachstum. Selbst wenn Biotope zerstört werden müssten, wird das „im öffentlichen Interesse als gerechtfertigt angesehen“, schreibt das Amt. Chefstadtplaner Ralph Müller verspricht allerdings, dass nur Unternehmen auf der Fläche am Breitling bauen dürfen, die auch unbestritten eine Kaikante benötigen.

Weitere 800 Hektar im Blick des Hafens
Mit den drei Grünflächen ist es nicht getan, denn der Hunger des Seehafens ist unersättlich. Die Umwidmung sei ein erster Schritt, sagt Christian Hardt von der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero). „Der Bedarf an baureifen Flächen für Industrie und Logistik ist weitaus größer.“ Die Gebiete für Ansiedlungen müssten bereits heute ausgewiesen und bestenfalls baureif sein, um im Standortwettbewerb nicht durch lange Vorlaufzeiten Chancen zu verspielen.

Und wo diese Flächen liegen könnten, soll eine Studie zeigen, die 800 Hektar rund um den Seehafen unter die Lupe nimmt. Darunter so sensible Gebiete wie Krummendorf, Swinskuhlen und Peezer Bach

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