Parchim : Umsorgt von liebenswerten Nachbarn

Werner und Edith Kluge: Vor zwei Jahren feierten sie ihre diamantene Hochzeit, seit 54 Jahren sind sie am Ostring 26 in Parchim zu HauseChristiane Großmann
Werner und Edith Kluge: Vor zwei Jahren feierten sie ihre diamantene Hochzeit, seit 54 Jahren sind sie am Ostring 26 in Parchim zu HauseChristiane Großmann

Gäbe es einen Wettbewerb um die weltbeste Hausgemeinschaft, die Nachbarn von Werner (85) und Edith (83) Kluge am Ostring 26 gehörten auf jeden Fall zu den haushohen Favoriten.

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07. Februar 2011, 10:15 Uhr

Gäbe es einen Wettbewerb um die weltbeste Hausgemeinschaft, die Nachbarn von Werner (85) und Edith (83) Kluge am Ostring 26 gehörten auf jeden Fall zu den haushohen Favoriten: "Wir sind so glücklich über all die Fürsorge, die es uns ermöglicht, unseren Lebensabend in unserer eigenen Wohnung zu verbringen", sagt das Ehepaar aus tiefstem Herzen.

Gerade als der Winter zum Jahreswechsel wieder mit aller Macht zuschlug und Kluges deshalb über einen längeren Zeitraum keinen einzigen Schritt vor die Haustür wagen konnten, spürten sie erneut, was für ein Geschenk es ist, mit so aufmerksamen, hilfsbereiten Nachbarn gesegnet zu sein. Denn immer wieder versichern Ute und Uwe Sauerbaum, Sabine und Bernd Warnke, Ralf und Angela Lossow sowie Rainer und Angela Oberländer ihren ältesten Mitbewohnern, dass sie sich um nichts zu kümmern brauchen. Und sie halten Wort - jeden Tag aufs Neue, schon seit vielen Jahren. "Eine so liebe Hausgemeinschaft um uns zu haben, erhält uns jung", sagt Edith Kluge. Jung im Herzen, auch wenn die Kräfte in jüngerer Vergangenheit merklich nachgelassen haben.

Dafür wurde das Netzwerk der Nachbarschaftshilfe besonders in den zurückliegenden zehn Jahren immer engmaschiger: Sabine Warnke steigt für Edith Kluge auf die Leiter, wenn die Gardinen zum Waschen abgenommen und anschließend wieder aufgehängt werden müssen. Ralf Lossow füllt stets die Getränkekisten nach. Ute Sauerbaum erkundigt sich regelmäßig, ob sie etwas aus dem Supermarkt mitbringen soll. Zur Erntezeit versorgen die vier Nachbarsfamilien Kluges mit frischem Obst und Gemüse aus ihren Gärten - und das oft so reichlich, dass sie davon sogar einen tiefgefrorenen Vitaminvorrat anlegen können. Jeder Mann im Haus würde sofort einspringen, wenn eine kleine SOS-Reparatur zu erledigen sind. "Alle sind so freundlich zu uns", schwärmt das Ehepaar, das vor zwei Jahren in Parchim seine diamantene Hochzeit feierte.

Sehr zu schätzen wissen aber auch die drei Kinder von Werner und Edith Kluge diese rührende Nachbarschaftshilfe. "Es tut gut zu wissen, dass unsere Eltern Tür an Tür mit so lieben Menschen wohnen und sich das Zusammenleben zwischen Jung und Alt hier so harmonisch gestaltet", sagt Karin Thomas.

Die Tochter von Werner und Edith Kluge war damals vier Jahre jung, ihr älterer Bruder acht und der Jüngste noch gar nicht geboren, als die junge Familie Ende Oktober 1957 ihre Genossenschaftswohnung am Ostring 26 bezog. Dabei handelt es sich um den ersten überhaupt von der Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaft (AWG), heute PWG, errichteten Wohnblock am damaligen Siggelkower Weg. "63 Quadratmeter Wohnfläche, wir konnten unser Glück kaum fassen", erinnert sich Edith Kluge.

Ihr Mann gehörte im Januar 1956, also vor 55 Jahren, mit weiteren 12 Mitarbeitern des damaligen Kraftverkehrs zu den Begründern der Parchimer Genossenschaft. 30 Jahre wirkte er ehrenamtlich im Vorstand mit, davon die meiste Zeit als Vorsitzender.

Das Wohnzimmer diente sogar als Genossenschaftsbüro

Lange Zeit spielte sich in Kluges Wohnzimmer nicht nur das Familienleben ab, sondern es diente zugleich als Genossenschaftsbüro. "Eine turbulente Zeit", denkt Werner Kluge gern an die Jahre zurück, wie überhaupt an ein erfülltes Arbeitsleben: Der gebürtige Lübzer gehörte zu den Mitbegründern des Kraftverkehrs in Parchim, baute die Wohnungsverwaltung in der Stadt mit auf und war später bis zur Rente als Absatzleiter im Gasbetonwerk tätig, während Edith Kluge von 1960 bis 1983 als Erzieherin im Goethe-Hort ihre Berufung fand. Noch heute wird sie von vielen Ehemaligen liebevoll "Oma Kluge" genannt. Selbst sind Kluges mittlerweile stolze Großeltern von drei Enkeltöchtern. Erfüllt hat sich inzwischen auch ihr sehnlicher Wunsch, einmal ein Urenkelchen im Arm halten zu dürfen: Luca Fin wird im Juli zwei Jahre.

Seit 54 Jahren ist der Ostring 26 nun das Zuhause von Werner und Edith Kluge. Die Ofenheizung von 1957 wich natürlich längst einem modernen Betriebssystem. Seit 2007 genießt das Ehepaar den Blick vom eigenen Balkon. Über die Jahre hinweg zogen immer wieder neue, bedeutend jüngere Mitbewohner ins Haus. Doch zu keinem Zeitpunkt haben Werner und Edith Kluge auch nur im Traum daran gedacht, umzuziehen. Warum auch: "Wir haben die weltbesten Nachbarn, die man sich nur wünschen kann. Und dafür sind wir sehr, sehr dankbar."

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