Über die Elbe geschippert - 21. Fährleutetreffen brachte rund 100 Gäste nach Lenzen

Natürlich wollten die Gäste auch die Fähre des Gastgebers Erich Butchereit (2.v.l. mit Ehefrau Elfriede) mit Elbtour kennenlernen. Foto: Manfred Drössler
Natürlich wollten die Gäste auch die Fähre des Gastgebers Erich Butchereit (2.v.l. mit Ehefrau Elfriede) mit Elbtour kennenlernen. Foto: Manfred Drössler

Zum Mekka von Fährleuten aus ganz Deutschland wurde am Wochenende das Prignitzstädtchen Lenzen. Mit dabei auch Brigitte Müller aus der Nähe von Grimma.

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02. November 2008, 05:55 Uhr

Lenzen - „Ich freue mich natürlich sehr, dass diese Tradition weitergeführt wird und inzwischen solche Resonanz findet“, betonte die heute 68-Jährige. Sie hatte 1961 in eine Fährmannsfamilie eingeheiratet und fand so viel Freude an dem Beruf, dass sie selbst die Fährstange in die Hand nahm – bis 1989.

„1988 bestand unsere Fähre 350 Jahre, das war Anlass, ein Treffen zu organisieren, 15 Fährleute kamen“, erinnert sich die rüstige Seniorin. Nach der Wiedervereinigung fand das Treffen auch schnell Resonanz bei den Fährleuten aus den alten Bundesländern. Gepflegt werden der Erfahrungsaustausch und Freundschaften, die sich im Laufe der Jahre entwickeln.

Zum 21. Treffen, für das Erich Butchereit aus Lenzen – seit 1990 Fährmann und seit 1992 selbstständig – ein guter Gastgeber war und viel Lob erhielt, kamen 94 Fährleute und Angehörige. Etliche von ihnen nahmen bereits am Freitag an der 27. Tagung der AG Binnenfähren auf der Burg Lenzen teil (der „Prignitzer“ berichtete).

Zum Treffen selbst gehörten Überfahrten mit den Elbfähren Lenzen und Lütkenwisch/Schnackenburg, der Besuch des Grenzlandmuseums Schnackenburgs, eine Stadtbesichtigung von Lenzen sowie der Fährleuteball.

Mit am weitesten angereist war wohl Rudolf Kraus aus Wipfeld bei Schweinfurth. 20 Jahre schipperte er eine 30 Tonnen-Fähre über den Main. Kraus ist inzwischen Rentner, hilft aber immer noch aus, wenn Not am Fähr-Mann ist. Gern folgte auch Hans Preuß aus Oranienburg-Friedrichthal der Einladung. Seine Querseilfähre bringt Fahrzeuge und Personen über den Oder-Havelkanal. Bis 1992 verkehrte auch eine separate Personenfähre, nur per Handkraft gezogen, doch dann zerriss ein Schlepper das im Kanal verlaufende Seil. Ein Neubetrieb wurde nicht mehr zugelassen.

Auch der Gastgeber des Fährleutetreffens 2009 kam
Gekommen war mit Peter Schultze auch der Gastgeber des Fährleutetreffens 2009. Der gelernte Binnenschiffer bugsiert seit 15 Jahren eine Motorfähre bei Brake-Sandstedt (Nähe Bremerhaven) über die Unterweser. „2004 wurde zwar unweit ein Tunnel gebaut, doch unsere Fähre wird trotzdem weiter rege genutzt, besonders von Lkw, die zum Braker Hafen wollen und damit einen Umweg von 33 Kilometern sparen“, erzählt Peter Schultze.

Er war am Wochenende übrigens nicht das erste Mal in Lenzen. Fährleute stehen untereinander in Kontakt, und so wurde er auf der Suche nach einer BMK-Kupplung bei Erich Butchereit fündig.

Mit Alfred Salecker kam auch kein direkter Fährmann nach Lenzen. „Mich verbinden meine ersten drei Jahre beim Wasserzoll in Schnackenburg mit der Elbe, das war vor 42 Jahren“, erzählte der inzwischen pensionierte Zollbeamte, der an der Weser lebt. Die Kollegialität war so toll, dass jetzt noch Kontakte bestehen. So auch zu Klaus Reinicke, Fährmann-Urgestein aus Schnackenburg.

Gut erinnern kann sich Salecker an mehrere Episoden und Schicksale. Nie losgelassen habe ihn die Tragödie der Flucht eines jungen Paars über die Elbe. „Die beiden waren eigentlich schon auf unserer Seite, wussten es aber nicht, schwammen zurück und versuchten es an anderer Stelle. Hier geriet die schwangere Frau in ein Fischnetz und ertrank, das Baby lebte noch“, erzählte Salecker.

Auch den Besuch von Franz Josef Strauß und die Fahrt mit einem Patrouillenboot auf der Elbe werde er nicht vergessen. „Da tauchten plötzlich auf DDR-Seite sechs Schnellboote neuesten Typs auf, die unseren Booten technisch überlegen und uns noch nicht bekannt waren. Strauß tobte, es gab mächtigen Krach mit dem Staatssekretär und es dauerte nicht lange, da hatten wir wieder die schnelleren Boote.“

Aus klang das 21. Fährleutetreffen am Samstagabend mit einem Fährmannsball. Hier überraschten Erich Butchereit und seine Frau Gerlinde die Gäste mit dem „Fährkalender Westprignitz 2009“, der tolle Fähr- und Elbmotive enthält.

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