Tusk und Putin gedenken der Absturzopfer

2qci5827.JPg
1 von 6

von
11. April 2010, 09:07 Uhr

Die Regierungschefs von Polen und Russland, Donald Tusk und Wladimir Putin, haben nach dem Flugzeugabsturz bei Smolensk des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und der anderen 96 Todesopfer gedacht. Gemeinsam legten sie am Samstagabend am Ort der Katastrophe Blumen nieder. Putin versicherte Tusk nach Angaben der Agentur Interfax, dass russische und polnische Spezialisten bei der raschen Aufklärung des Unglücks zusammenarbeiten würden.

Tausende Menschen erwiesen in Polen dem verunglückten Staatsoberhaupt die letzte Ehre. Sie versammelten sich spontan vor dessen Amtssitz in Warschau. Sie beteten und sangen patriotische sowie religiöse Lieder. Vor dem Präsidentenpalast leuchteten tausende Grablichter, Blumen wurden gelegt. In zahlreichen Kirchen in Warschau, Krakau und vielen anderen Städten wurden Trauermessen abgehalten. Im Warschauer Dom sagte Erzbischof Kazimierz Nycz, der tragische Flugzeugabsturz habe ganz Polen verletzt. Die Tragödie solle aber zur Einheit der Nation beitragen.

Der Tod Kaczynskis und zahlreicher weiterer Spitzenpolitiker löste international große Bestürzung aus. Russlands Präsident Dmitri Medwedew kondolierte dem polnischen Volk ebenso wie US-Präsident Barack Obama. Auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickten Beileidsschreiben. Papst Benedikt XVI. äußerte seinen „tiefen Schmerz“. „Ich stelle alle Opfer dieses dramatischen Unfalls (...) der Güte des allmächtigen Gottes anheim“, sagte der Papst.

Ein Nachfolger Kaczynskis soll bis spätestens 20. Juni gewählt werden. Ursprünglich sollten die Präsidentenwahlen im Herbst stattfinden. Der polnische Parlamentschef Bronislaw Komorowski, der gemäß der Verfassung bis zur Neuwahl die Geschäfte des tödlich verunglückten Staatsoberhauptes übernommen hat, kündigte am Samstagabend an, er werde innerhalb von 14 Tagen über den Wahltermin entscheiden. Der Urnengang muss dann an einem Sonntag innerhalb von 60 Tagen nach dieser Entscheidung stattfinden. Komorowski wird nach derzeitigem Stand selbst bei der Präsidentenwahl antreten. Er war bereits Ende März von der liberalen Regierungspartei Bürgerplattform PO zu ihrem Kandidaten ernannt worden.

Putin kündigte eine rasche Aufklärung des Flugzeugabsturzes an. „Wir müssen alles tun, um den Familien, um den Angehörigen der Opfer zu helfen.“ Das sagte Putin im russischen Staatsfernsehen nach einer Besichtigung des Absturzorts. Dort hielt er auch eine Gedenkminute für die Opfer ab. Präsident Dmitri Medwedew hatte den früheren Kremlchef zum Chef der Untersuchungskommission ernannt.

Alle Opfer seien mittlerweile geborgen worden, sagte Zivilschutzminister Sergej Schoigu. Ihre Leichen würden nach Moskau übergeführt. Transportminister Igor Lewitin warf dem polnischen Piloten vor, „eigenmächtig“ gehandelt zu haben. Die Sichtweite zum Unglückszeitpunkt habe nur 400 Meter betragen. Vorgeschrieben seien Landungen ab 1000 Metern Sicht, sagte Lewitin. Es seien zwei Flugschreiber gefunden worden. Die Geräte sollen nach Moskau gebracht und dort von russischen und polnischen Spezialisten gemeinsam ausgewertet werden.

Kaczynski war mit einer ranghohen Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die Ermordung polnischer Soldaten durch den sowjetischen Geheimdienst vor 70 Jahren im russischen Katyn. Unter den Toten ist auch Kaczynskis Frau. Auch Vize-Parlamentschef Jerzy Szmajdzinski, Vize-Außenminister Andrzej Kremer, der Chef des Generalstabs, Franciszek Gagor, und mehrere Parlamentarier sind tot. Gestorben sei die „Elite der Nation“, sagte Ex-Präsident Lech Walesa.

Absturzopfer von Smolensk in Gerichtsmedizin

Derweil sind viele der Todesopfer nach Moskau zur gerichtsmedizinischen Untersuchung gebracht worden. Spezialisten sollen nach dem Absturz der Maschine mit 97 Menschen an Bord die Leichen identifizieren, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag in Moskau mit. Den Leichnam von Polens Staatschef hatte bereits dessen Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski am Vorabend bei einem Besuch in Smolensk in Augenschein genommen. Weltweit gab es Trauer nach dem Tod von Kaczynski und den anderen Opfern der Katastrophe vom Samstag.

Nach Angaben der Moskauer Ermittler ist die gerichtsmedizinische Arbeit besonders aufwendig, weil viele Passagiere bei dem Aufprall zerrissen worden waren. Die ersten Leichen waren bereits am Samstag mit Hubschraubern in die russische Hauptstadt gebracht worden. In Moskau wird auf Anweisung von Russlands Regierungschef Wladimir Putin auch die Trauer der polnischen Angehörigen organisiert. In Moskau wurden am Sonntag mehrere Flugzeuge und Züge aus Polen erwartet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen