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Teldafax in Zahlungsnot - Wemag kündigt Liefervertrag : Turbulenzen im Stromnetz

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Spannung auf dem Energiemarkt: In MV hat der erste Netzbetreiber wegen ausbleibender Zahlungen die Lieferverträge mit dem Stromdiscounter Teldafax auf Eis gelegt. Betroffen sind ab dem 1. April 2300 Kunden.

svz.de von
erstellt am 01.Apr.2011 | 07:36 Uhr

Schwerin | Spannung auf dem Energiemarkt: In Mecklenburg-Vorpommern hat der erste Netzbetreiber wegen ausbleibender Zahlungen die Lieferverträge mit dem Stromdiscounter Teldafax auf Eis gelegt. Der Regionalversorger Wemag hat die entsprechenden Vereinbarungen "wegen eines stark beschädigten Vertragsverhältnisses zum 31. März gekündigt", erklärte ein Sprecher des Unternehmens gestern in Schwerin. Betroffen sind 2300 Kunden, die ab 1. April vom örtlichen Energieversorger beliefert werden.

In den vergangenen Tagen haben eine Reihe von Netzbetreibern in Deutschland die Nutzungsvereinbarungen mit Teldafax gekündigt. Bundesweit - unter anderem in Berlin-Brandenburg, Bremen, Düsseldorf, Bielefeld und Essen - werden tausende Kunden vorerst wieder von den Grundversorgern beliefert. Auch die Stadtwerke Neubrandenburg erwägen einen solchen Schritt. Trotz Mahnung seien die offenen Rechnungen für die Nutzung der Netze durch Teldafax nicht beglichen wurden, teilte das Unternehmen gestern mit. Im Neubrandenburger Netz beziehen 130 Kunden Strom vom Billiganbieter Teldafax.

Grundversorger springen ein

Beim zweiten großen Regionalversorger in Mecklenburg-Vorpommern steht eine Entscheidung noch aus. Teldafax zeige "seit längerem ein schwieriges Zahlungsverhalten", sagte Horst Jordan, Sprecher des Netzbetreibers Eon edis. Auch die Stadtwerke Rostock hätten "erhebliche Probleme", erklärte Unternehmenssprecher Thomas Schneider. Teldafax habe über "einen längeren Zeitraum nicht gezahlt". Die Stadtwerke haben das Unternehmen deshalb bereits zum zweiten Mal gemahnt.

Auf der Strecke bleiben vorerst die Verbraucher: Im Dunkeln müssen sie zwar nicht sitzen. Die Stromversorgung ist sichergestellt. Wenn ein Anbieter pleite geht, springt nach dem Gesetz der Grundversorger - in der Regel der örtliche Energielieferant - für die Region ein. Nur: Entsprechend der gesetzlichen Regelungen fallen die betroffenen Kunden in den Grundtarif der Versorger und müssen damit höhere Preise in Kauf nehmen.

Besonders bitter: Teldafax hat teilweise von den Kunden Vorkasse verlangt. Betroffene Kunden sollten schnell eine Rückzahlung fordern, rät die Verbraucherzentrale MV. Experten rechnen aber damit, dass aufgrund offenbarer Zahlungsschwierigkeiten des Anbieters die Forderung nur mit gerichtlicher Hilfe durchgesetzt werden kann. Hat sich TelDaFax mittels einer Einzugsermächtigung Vorauszahlungen vom Konto geholt, können Verbraucher bei ihrem Geldinstitut die Rückbuchung veranlassen, raten Verbraucherschützer.

Teldafax ist offenbar durch ein seit langem umstrittenes Marktkonzept in finanzielle Schieflage geraten. Der Stromdiscounter hatte versucht, mit extremen Billigtarifen Marktanteile zu gewinnen und nahm dabei offenbar Verluste in Kauf. Inzwischen soll das Unternehmen überschuldet sein. Teldafax hofft jetzt auf einen neuen Investor. Ein Kapitalgeber aus Zypern sei ins Unternehmen eingestiegen, teilte das Unternehmen zu Wochenbeginn mit. Die Firma statte Teldafax mit zusätzlichem Kapital im mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, hieß es. Teldafax zählt bundesweit rund 700 000 Strom- und Gaskunden.

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