Trockenheit verdirbt die Ernte

<strong>Gerd Sonnleitner</strong> <strong>begutachtet</strong> mit Roswitha Beu von der Agrarproduktion Lübtheen (Ludwigslust) unreife Ähren von Winterroggen. <foto>dpa</foto>
Gerd Sonnleitner begutachtet mit Roswitha Beu von der Agrarproduktion Lübtheen (Ludwigslust) unreife Ähren von Winterroggen. dpa

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08. Juli 2010, 10:23 Uhr

Lübtheen | Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte in Deutschland. Wegen der Trockenheit und Hitze sei eine mittlere Ernte bereits gefährdet, sagte Sonnleitner gestern in Lübtheen (Kreis Ludwigslust) zum bundesweiten Ernteauftakt. Wenn der Regen noch mehrere Tage ausbleibe, werde das Ergebnis weit unter 45 Millionen Tonnen liegen. Der Durchschnittsertrag bei Getreide beträgt 47 Millionen Tonnen.

Ein Trost für die Landwirte seien die steigenden Preise. Sie hätten sich in den vergangenen Wochen bei Brotweizen, Braugerste und Mais um zehn bis 15 Prozent erhöht. Sonnleitner mutmaßte, dass an der Börse schlecht recherchiert oder gar manipuliert wurde. So habe es lange geheißen, überall auf der Welt stehe das Getreide gut und die Lager seien noch voll. Nun komme angesichts von Trockenheit und Missernte Hektik auf. "Die Läger waren wohl doch nicht so voll", sagte Sonnleitner. Viele Bauern würden allerdings nicht von den besseren Preisen profitieren können, da sie bereits Verträge für die diesjährige Ernte eingegangen seien.

Neben der geringen Erntemenge erwartet der Bauernpräsident auch eine schlechtere Qualität des Getreides. "Brotweizen wird Futterweizen", sagte er. Weizen höre bei 26 Grad auf, Kohlenhydrate und Eiweiß im Korn einzulagern. Es komme zur Notreife und kleinen Körnern. Sonnleitner erwartet den Beginn der Weizenernte in Deutschland Ende Juli. Wintergerste sei in Mitteldeutschland und Hessen schon gedroschen, die Erträge seien mittelmäßig bis schlecht.

Im Norden rechnet Mecklenburg-Vorpommerns Bauernpräsident Rainer Tietböhl Ende kommender Woche mit dem Erntebeginn. Er teilt die durchschnittlichen Ernteerwartungen für das Binnenland, erhofft aber an der Küste wegen der größeren Feuchtigkeit bessere Erträge. "Große Sorgen mache ich mir, dass wir nicht genug Futter haben werden", sagte Tietböhl.


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