Trillerpfeifen für Bildung

Aus mehr als zwanzig Schulen in Rostock und Umgebung sind sie auf den Universitätsplatz gekommen. Friedlich aber laut brachten die Schüler ihre Forderungen zum Ausdruck.

von
12. November 2008, 09:35 Uhr

Rostock - Bunt, laut und gut gelaunt ist der Rostocker Schulstreik gestern in der Innenstadt abgelaufen. Rund 4 000 Schüler aus etwa 20 Schulen in Rostock und dem Umland nahmen nach Schätzungen der Veranstalter am Streik teil. Morgens um 7.30 Uhr ging es los – aus Reutershagen, Südstadt, Dierkow und Lütten Klein marschieren Gruppen in Richtung Innenstadt. Beispielsweise kommen auch Demonstranten vom S-Bahn-Haltepunkt Evershagen, die rund 200 Meter über die Stadtautobahn in Begleitung der Polizei marschieren und den Verkehr behindern.

Sie und viele andere treffen sich im Bereich der Doberaner Straße wieder und legen für kurze Zeit die Straßenbahn lahm. Am Uniplatz skandieren sie: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.“
Ein Spruchband mit den Worten des Philosophen Nietzsche halten die Schüler des Erasmus-Gymnasiums in die Kameras: „Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.“ Kim und Florian aus der siebten Klasse des Innerstädtischen Gymnasiums (ISG) meinen: „Wir sollten nicht soviel Druck von den Lehrern bekommen, mit weniger Stoff lernen wir besser.“ Die Älteren sehen es drastischer: „Bei uns gibt es Wiederholungsquoten von 25 Prozent, seit 2007 das Abitur nach zwölf Jahren eingeführt wurde“, so Christopher Ressel (17) vom Gymnasium Bad Doberan.

Einige Schüler schlagen sich auf die Seite der Lehrer, so Marko Stevanovic vom Gymnasium Bad Doberan: „Die meisten Lehrer sind überlastet. Zwei bis vier Stunden in der Woche fallen krankheitsbedingt bei uns aus.“
Als Unterstützer stellten sich Parteien und Gewerkschaften auf die Seite der Streikenden. Darunter auch Melanie Rose vom Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband (SDS): „Wir fordern, dass nicht schon in der Schule ausgesiebt wird, wir wollen ein Schul- und Hochschulsystem, das so aufeinander aufbaut, dass es für alle gleichermaßen zugänglich ist.“ Begleitet von der Polizei geht der Demonstrationszug schließlich über die Kröpeliner Straße zum Neuen Markt und dann durch die Innenstadt bis zum Doberaner Platz.

Anwohnern war der Streik suspekt
Eine Anwohnerin beschreibt die Abschluss-Kundgebung, die um 11.30 Uhr startet: „Das ist wie die Love Parade mit Lautsprecherwagen und Musik.“ Einige Passanten stören sich am Müll, vor allem an den zerbrochenen Bierflaschen, die zurück bleiben. Auf ihren weiteren Weg stürmen die Demonstranten zuletzt das ISG und rufen laut ihre Forderungen. Einige Lehrer verschließen die Türen, um ihren Unterricht fortzuführen, Schulleiter Thomas Döring verweist die Streikenden vom Schulgelände.Am Ende des Protesttages treffen sich Hartgesottene und die Veranstalter vom Aktionsbündnis im Mau-Club zur Diskussion und Bilanz: „Ich freue mich, dass die Teilnehmerzahlen unsere Erwartungen übertroffen haben. Es gab auch keine Zusammenstöße zwischen Autonomen und Rechten“, so Johanna Jaspers „Der Streik hat richtig Spaß gemacht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen