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15. Dezember 2017 | 01:55 Uhr

Traumjob ohne Perspektive

vom

svz.de von
erstellt am 28.Mai.2010 | 07:44 Uhr

Rostock | Den Job hat Alexander Bannikov (29) so gut wie sicher. Aber arbeiten darf er nicht. Der Grund: Der Russe wartet seit Monaten vergeblich auf eine Genehmigung von der Ausländerbehörde - der sind die 1400 Euro brutto, die die IT-Firma Image Information Systems Europe Bannikov bietet zu wenig. "Ich würde gerne als Programmierer dort arbeiten, bekomme aber keine Erlaubnis."

Seit acht Jahren lebt er in Deutschland. Ende 2009 schloss er sein Studium zum Diplominformatiker erfolgreich ab. Mit seinem Abschlusszeugnis von der Universität Rostock möchte er nun bei dem Rostocker IT-Unternehmen arbeiten. "Derzeit bekomme ich jedoch keine Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde", sagt Bannikov. Die Begründung der Behörden: "Wir möchten, dass Menschen mit einem akademischen Abschluss entsprechend entlohnt werden, und nicht dem Lohndumping unterliegen", sagt Sven Heilmann, Teamleiter Arbeitgeberservice von der Arbeitsagentur Rostock.

Der Personalchef des Softwareunternehmens Tino Meissner setzt sich unterdessen für seinen Anwärter der Arbeitsstelle ein: "Wir können nicht sofort ein Gehalt für eine diplomierte Kraft zahlen, wollen es aber in Schritten erhöhen." Im Arbeitsvertrag haben sie festgelegt, dass Bannikov im folgenden Jahr 1500 Euro bekommen soll. "Ein von der Arbeitsagentur gefordertes Gehalt von 2500 bis 3000 Euro ist für uns untragbar", sagt Meissner. Da es jedoch laut dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus keine tariflichen Regelungen gibt, sind die aufgestellten Forderungen der Arge nicht haltbar.

Zusätzlich sei es das Anliegen der Agentur, dass bevorrechtigte Deutsche eine Stelle bekommen, für die eine Berufsschulausbildung zum Fachinformatiker ausreiche. "In dieser Region haben wir einige Menschen, die solch eine entsprechende Ausbildung haben", sagt Teamleiter Heilmann. Darüber hinaus hat er für den Akademiker eine Stelle in einem Rostocker Unternehmen in Aussicht, die für seinen Bildungsgrad angemessen sei. "Wir können ihm bessere Rahmenbedingungen und eine angemessene Stelle bieten", berichtet der Teamleiter. Der 29-jährige Migrant sieht das allerdings anders. Da er bereits vom 1. November 2008 ein Jahr lang als studentische Hilfskraft in dem IT-Unternehmen angestellt war und sich dort ein soziales Netzwerk aufgebaut und die deutsche Sprache sehr gut erlernt hat, möchte er den Arbeitgeber nicht wechseln.

"Sollte sich Bannikov für die Stelle der Agentur interessieren, müsste er einen kompletten Bewerbungsprozess durchlaufen", sagt Meissner, der bereits den Arbeitsvertrag für den Migranten in den Händen hält. Bereits zum zweiten Mal haben Meissner und Bannikov bei der Ausländerbehörde und der Arbeitsagentur den Antrag für eine Arbeitserlaubnis gestellt. Mit der Verfeinerung einiger Klauseln, dass der aus dem Ural Stammende eine angemessene Qualifikation aufweist, hoffen sie nun, eine Genehmigung zu erhalten. Schon nach einer mündlichen Absage beim ersten Antrag fühlte sich der Russe schlecht. "Ich war einfach sprachlos und habe damit nicht gerechnet", sagt er. Sollte Bannikov nicht innerhalb eines Jahres eine Arbeitsstelle gefunden haben, droht dem Migranten die Ausweisung. "In Russland hätte ich keine berufliche Perspektive", erklärt der Arbeitsuchende, der derzeit weder Anspruch auf Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe hat.

Unterdessen ist das Software-Unternehmen der Arge entgegengekommen und hat Bannikov einen Vertrag angeboten, bei dem er die gleiche Entlohnung von 1400 Euro bekommt, aber auf sechs Stunden heruntergesetzt wird. Auf eine Arbeitserlaubnis nach einem weiteren Antrag bei der Ausländerbehörde wartet der Migrant bis heute jedoch vergeblich.

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