Traum von Hotel und Bauernmarkt zerplatzt

Das ehemalige Milchzuckerwerk in Laage wird Anfang April versteigert. Wie es aussieht, kommt die Stadt wieder nicht zum Zuge. Dabei gibt es einen Beschluss der Stadtvertretung mitzubieten.

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26. März 2008, 08:56 Uhr

Laage - Es ist eine Industriebrache wie sie im Buche steht. An der Bahnhofstraße sehen die Gebäude auf den ersten Blick noch ganz passabel aus. Auf den zweiten Blick bröckelt es überall. Besonders deutlich wird der Verfall im hinteren Teil an der Umgehungsstraße. Einige Aufräumarbeiten machen es nicht schöner. „Wir beseitigen derzeit einige Altlasten“, erklärt der Eigentümer David Krupke.
Nun zum zweiten Mal kommt das ehemalige Milchzuckerwerk in Laage unter den Hammer. 2000 war das Gelände aus einer Insolvenz der drepharm GmbH heraus zwangsversteigert worden. Jetzt bedient sich der Eigentümer der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG. „Zur Versteigerung haben wir den Teil an der Bahnhofstraße gegeben. Aber auch der hintere Teil ist zu verkaufen“, berichtet Krupke. Er hatte der Stadt den „Schandfleck“ vor Jahren weggeschnappt, wollte ihn „wirtschaftlich verwerten“, wie er damals sagte. Ein Bauernmarkt, ein Hotel und Eigentumswohnungen, so erzählt er, sollten auf dem Gelände entstehen. „Das Vorhaben ließ sich nicht finanzieren“, stellt er heute nüchtern fest. Auch mit einem Lebensmittel-Discounter habe er verhandelt – ohne Ergebnis.

Trotz Beschluss will Stadt nicht mitbieten

Vor knapp acht Jahren hatte das Geld der Stadt nicht ausgereicht, um das Gelände zu ersteigern. Man hätte es ohnehin nur beräumen wollen. „Den hinteren Teil hätten wir der Natur – dort fließt der Pludderbach – zurückgegeben“, erinnert sich Uwe Heinze.
Die Stadtvertretung ermächtigte die Verwaltung auch dieses Mal bei der Versteigerung mitzubieten. Doch vermutlich kommt es wieder anders. „Wir haben keinen Haushalt“, tönt der Bürgermeister. Also könne er nicht handeln. Er selbst hatte Widerspruch gegen den Etat eingelegt, weil Beschlüsse der Stadtvertretung das Zahlenwerk wieder durcheinander brachten. Z. B. war die geplante Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer von den Stadtvertretern nicht genehmigt worden. „Das bringt unsere Finanzplanung auf Jahre in Schwierigkeiten“, schimpft Heinze. Also fällt für ihn die Versteigerung aus.

„Man kann nur noch abreißen“

Günter Görbig (73) blutet das Herz, wenn er die Entwicklung betrachtet. Mehr als 20 Jahre hat der Laager im ehemaligen Milchzuckerwerk gearbeitet, war Betriebsdirektor und Geschäftsführer. „Es war einmal Laages Vorzeige-Betrieb: Milchzucker wurde nach Japan, Indien und Mexiko exportiert“, erinnert sich Günter Görbig. Weiterverarbeitet wurde der Milchzucker für Kindernahrung und in der Arzneimittelindustrie. Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts seien auch Arzneimittel in das Produktionsprogramm aufgenommen worden. Zwei Dresdner Geschäftsleute, die das Unternehmen 1993 kauften, spezialisierten sich auf die Produktion von Backwaren für Menschen, die an einer Mehlallergie (Zöliakie) leiden. 1996 ging die Firma pleite. Eine Zukunft sieht Günter Görbig für den Industriestandort nicht. „Man kann nur noch abreißen“, schätzt er ein.

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