Totenstille im „headquarter“

Das blaue Schild vor der riesigen verglasten Fassade suggeriert noch immer, hier sitzt die Hauptverwaltung bzw. im guten Englisch das „headquarter“ der Firma AXO. Hinter den großen Scheiben im Innern haben aber gerade Wildkräuter ihre Blüten entfaltet.

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19. Mai 2008, 07:01 Uhr

Wittenberge - Es ist heute auf den Tag genau elf Monate her, da versicherte der damalige neue Vorstand der AXO-Group AG, Roman Igler, auf „Prignitzer“-Nachfrage: „AXO hat keine Insolvenz angemeldet.“ An derartigen Gerüchten in der Stadt sei nichts ’dran.

Heute dreht sich bei AXO nichts, aber auch gar nichts mehr. Roman Igler, der mit einem AXO-Gesellschafterwechsel im März 2007 zum Vorstandsvorsitzenden avanciert war, ist nicht zu erreichen. Das Unternehmen mit Sitz im Industriegelände Süd (ehemals ZZWW) existiert nicht mehr. An die 50 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Das Sagen hat jetzt der Insolvenzverwalter. Betraut wurde mit diesem Amt der Anwalt Rolf Ratunde. Und dieser habe ein schweres Amt, so ein Sprecher des Insolvenzverwalters auf Nachfrage des „Prignitzers“. „Der Betrieb war schon geschlossen, als wir unsere Arbeit aufnahmen. Es war niemand mehr tätig. Es existierte kein Maschinenbestand mehr. Sämtliche Geschäftsunterlagen fehlten.“ Die Steuerfahndung habe, noch bevor die Insolvenzverwaltung begann, Unterlagen an sich genommen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters schlussfolgert: „Das Ganze scheint ein Betrugsfall zu sein.“Bei der Staatsanwaltschaft existieren augenscheinlich Akten. Über ihren Inhalt war gestern noch nichts zu erfahren. Der „Prignitzer“ bleibt ’dran.

Der Insolvenzverwalter seinerseits ist mit umfangreichen Recherchen befasst, prüfe, welche Ansprüche es gegen das Unternehmen gibt und wo man Geld einziehen könne, weil Ansprüche seitens AXO bestünden. Aber: „Das ist in diesem Fall sehr mühselig, eben weil die Geschäftsunterlagen fehlen.“
Angesprochen auf das AXO-Haus mit der monumentalen Glasfassade – noch vor Jahren der Stolz des Unternehmens und gefeiert als Wegweiser in Richtung Solartechnik – verweist die Insolvenzkanzlei darauf, „dass ein Objekt in Wittenberge verkauft werden soll“, ebenso wie AXO-Objekte in zwei weiteren Städten. Noch herrscht aber nur Totenstille hinter den großen Scheiben, die zu besseren AXO-Zeiten ein großzügiges Vestibül mit Bach, Teich und Grüninseln beschützten. Wer hätte bei einer derartig aufwändig dargestellten Firmenkultur einen solchen Niedergang erwartet? Übrigens: Im Schaukasten der Firma wirbt am geschlossenen Eingang hoch heute ein Flugblatt für die starke AXO-Group. Bewegung ist mittlerweile in der dem Eingang gegenüberliegenden ehemaligen AXO-Halle. Ein hiesiger Unternehmer hat die Immobilie erworben und nutzt sie nun für seine Firmenzwecke.

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