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Verwaltung in Lübz muss immer öfter für Beerdigungen sorgen : Tot - aber von niemandem vermisst

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Bereits drei Mal seit Jahresbeginn wurden in Lübz Menschen beerdigt, für die keine Verwandten zu finden waren. Folge: Die entstehenden Kosten werden mit Steuergeldern beglichen.

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erstellt am 08.Apr.2011 | 10:23 Uhr

Bereits drei Mal seit Jahresbeginn wurden in Lübz Menschen beerdigt, für die keine Verwandten beziehungsweise Lebenspartner zu finden waren. Folge: Die Mitarbeiter des auch für diesen Bereich zuständigen Bürgeramtes müssen die Zeremonie organisieren, die entstehenden Kosten werden mit Steuergeldern beglichen. "Deshalb - wenn in diesem Zusammenhang auch etwas merkwürdig anmutend - geht es stets darum, die günstigste Lösung zu finden. Dass sie trotzdem würdevoll ist, der Pietät gerecht wird, müsste für uns nicht extra vorgeschrieben sein, bedeutet natürlich trotzdem einen zumindest kleinen Spagat", sagt Amtsleiter Thomas Rosenfeldt. "Registriert haben wir auf jeden Fall, dass solch ein Vorkommnis über viele Jahre ungewöhnlich war. Mittlerweile geschieht es jedoch fast regelmäßig und die Fälle nehmen weiter zu. Warum, vermag ich nicht in vollem Umfang zu sagen." Fest stehe nur, dass bis zur Gesetzesänderung 2008 die Verwaltung am Sterbeort für die Beerdigung verantwortlich war, jetzt ist es die am eingetragenen Wohnort.

Zur schon genannten Kostenersparnis gehört unter anderem, dass die Toten auf Friedhöfen beigesetzt werden, die unter kommunaler Verwaltung stehen. Dies sind in unserer Region neben Ruthen - hier wird jeder bestattet, der in Lübz gelebt hat und für den es keinen Ansprechpartner gibt - unter anderem Welzin, Kritzow, Schlemmin und Wilsen. "Gibt es auch hinsichtlich der Beerdigung einen letzten Willen, ist dieser entscheidend", sagt Rosenfeldts Mitarbeiter Daniel Weiß. "Wenn nicht, fällt die Entscheidung auf die ortsübliche Praxis - bei uns die Urnenbestattung."

Ist zum Todeszeitpunkt offiziell kein Verwandter bekannt, haben Rosenfeldt und seine Mitarbeiter zunächst zehn Tage Zeit für Nachforschungen. So lange bleibt der Verstorbene in der Regel erst einmal unberührt. "Währenddessen mindestens einen Tag lang von morgens bis abends wie ein Detektiv ein Telefonat nach dem anderen mit Standes- und Einwohnermeldeämtern oder Privatleuten zu führen, ist dann normal", berichtet Weiß. "Und selbst wenn wir jemanden ausfindig machen, ist die zur Verfügung stehende Zeit vergleichsweise kurz, denn die weitere Vorgehensweise muss schriftlich festgehalten werden, was dauern kann - hinschreiben, die Antwort abwarten, Termin festmachen..."

Das Gesetz schreibt eine Reihenfolge vor, wer nacheinander für die Bestattung eines Menschen verantwortlich ist: An vorderster Stelle Ehegatte, dann Lebenspartner (gleichgeschlechtlich), Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Enkelkinder und zum Schluss Partner "einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft".

Obwohl mit den Betroffenen noch nie persönlich verbunden, hat Rosenfeldt schon Fälle erlebt, die sich tief eingeprägt haben. "Nach eindeutigen Hinweisen von Nachbarn öffneten wir vor einigen Jahren zum Beispiel eine Wohnung und fanden darin einen Mann, der seit Wochen ums Überleben gekämpft hatte. Kurze Zeit später starb er", berichtet der Amtsleiter. "Wir machten einen Sohn ausfindig, der uns mitteilte, dass er seinen Vater im Alter von zwei Jahren zum letzten Mal gesehen und dieser nie Unterhalt gezahlt hatte. Für ihn war es ein fremder Mensch und er verstand nicht, warum er für die Beerdigung sorgen solle - objektiv verständlich."

Mittlerweile liegen einige "Zumutbarkeitsurteile" vor, die bei der Regelung von Bestattungen auch persönliche Umstände berücksichtigen und sich nicht nur auf gesetzlich verankerte Vorschriften gründen.

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