Tödlicher Leichtsinn am Kran?

Nach dem Drama mit zwei Toten auf einer Silo-Baustelle in Poppendorf laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Allerdings wird es bis zu einem abschließenden Ergebnis noch einige Zeit dauern.

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15. Mai 2008, 09:29 Uhr

Poppendorf - Die ersten Untersuchungen des tödlichen Arbeitsunfalls lassen einen schlimmen Verdacht aufkommen: Mit hoher Wahrscheinlich hat menschliches Versagen zu der Tragödie mit zwei getöteten Monteuren geführt.

„Es ist zu klären, welche Pflichten verletzt wurden und wie die Verantwortlichkeiten dafür sind“, sagt Polizeipressesprecher Volker Werner. Offensichtlich wurde kein vorschriftsmäßiger Arbeitskorb genutzt, der den technischen Anforderungen entspricht. Demnach darf beispielsweise eine Gondel nicht umkippen können. Das Anschlaggeschirr war jedoch unterhalb des Bodens und damit unter dem Schwerpunkt befestigt. Schon dies ergibt eine labile Gleichgewichtslage. Zwei Tragegurte wurden einfach durch die Laschen für den Gabelstapler gezogen und über die Ketten an den Kranhaken gehängt. Bei einer zertifizierten Gondel ist der Anschlagpunkt gekennzeichnet, und so kann es auch nicht irrtümlich falsch befestigt werden.

Solange die Männer in der Mitte der Plattform gestanden haben, war die Last gleichmäßig verteilt. Wahrscheinlich haben sie sich dann an den Außenrand begeben, und die Gondel konnte umschlagen.
Es hat sich in diesem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um eine sichere Plattform gehandelt. Denn grundsätzlich müssen solche Gondeln statisch berechnet, entsprechend konstruiert und anschließend von einem Sachverständigen abgenommen werden, so die Abteilung Arbeitsschutz und technische Sicherheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Auch in vielen Kranunternehmen wird der Unfall diskutiert, doch äußern wollten sich die Mitarbeiter nicht. Klar ist aber auch ihnen: Der tödliche Absturz hätte gar nicht passieren dürfen.
Der Unfall geschah bei Abdichtarbeiten am Dach der Silos. Gegen 10 Uhr am Mittwoch war die Gondel beim Herunterlassen umgeschlagen. Für den 54 Jahre alten Poppendorfer und seinen 60 Jahre alten Kollegen aus Vechta kam jede Hilfe zu spät.

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