Todesfahrer gesteht

Nach einem Verkehrsunfall in Rostock mit zwei toten Fußgängern muss der 32-jährige Unglücksfahrer für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Das Rostocker Amtsgericht sprach den mehrfach vorbestraften Mann gestern der fahrlässigen Tötung, Fahrerflucht, Gefährdung des Straßenverkehrs und des Vortäuschens einer Straftat schuldig.

von
07. März 2008, 09:01 Uhr

Rostock - Im Verhandlungssaal 128 des Amtsgerichts Rostock sind schon weit vor dem gestrigen Prozessbeginn gegen den Todesfahrer Manuel J. alle Plätze besetzt, Angehörige, Freunde und Bekannte des getöteten Ehepaares Silvia und Karl-Heinz B. sind gekommen, um den Mann zu sehen, der für das Leid verantwortlich ist. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32-Jährigen unter anderem fahrlässige Tötung, fahrlässige Verkehrsgefährdung, Unfallflucht und Vortäuschen einer Straftat vor.
Am Abend des 25. Oktober vergangenen Jahres hat Manuel J. Streit mit seiner damaligen Freundin und will ihre Wohnung verlassen. Sie hat den Eindruck, er sei zu aufgeregt und möglicherweise hatte er getrunken. „Ich habe ihm angeboten, ihn zu fahren“, sagt sie. Doch J. wartet nicht, fährt mit seinem Transporter von Dierkow in Richtung Innenstadt.

Die Freundin verfolgt ihn, will ihn zur Vernunft bringen. In einem waghalsigen Manöver fährt er in die schmale Faule Straße. Sein Transporter ist viel zu schnell, Manuel J. prallt seitlich gegen einen geparkten PKW. Er verliert die Kontrolle über den Wagen und kracht gegen eine Hauswand. Auf dem Bürgersteig fährt er weiter. „Dann habe ich wohl zwei Gegenstände überfahren“, sagt der Angeklagte. Viele Zuschauer im Saal schütteln ungläubig den Kopf, denn J. hat das Ehepaar überrollt.

Silvia B. kommt gerade von ihrem Kurs an der Volkshochschule. Sie bringt den Teilnehmern Lesen und Schreiben bei. Ihr Ehemann holt sie ab. Beide sind an diesem Abend auf dem Weg zu einem Konzert.
Die Unfallrekonstruktion ergibt: Silvia B. prallt gegen die Frontscheibe, ihr Mann wird seitlich vom Transporter erfasst und offensichtlich vom Hinterrad überrollt. Der 52 Jahre alte Karl-Heinz B. aus Bad Doberan stirbt noch an der Unfallstelle, seine Ehefrau kurze Zeit später im Krankenhaus.
Manuel J. flüchtet von der Unfallstelle und stellt später das Auto ab, meldet es am nächsten Tag als gestohlen. Seine Ex-Freundin, die hinter ihm fährt, hält an. Sie ruft laut um Hilfe, erinnert sich eine Zeugin. Doch für das Paar kommt sie zu spät.

Ob Manuel J. zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss oder Drogen stand, kann der Gutachter gestern nicht eindeutig sagen. Der Angeklagte will Tage zuvor auf einer Feier das letzte Mal Kokain genommen haben.
Mit dem Urteil von drei Jahren und sechs Monaten bleibt das Gericht unter der Forderung der Anklage. Diese hatte vier Jahre Gefängnis gefordert. Der Verteidiger plädiert auf eine Strafe von drei Jahren. „Das ist viel zu wenig, zehn bis 20 Jahre hätten es sein müssen“, sagt der Bruder der getöteten, Frank Grohs. „Als er gegen das Auto geprallt ist, da hätte er schon halten können“. Auch für das Gericht war die Tat äußerst leichtfertig. Hinzu kommt, dass J. versucht hat, die Tat zu vertuschen und damit planmäßig vorging. Mit seinem Geständnis zum Prozessauftakt hat J. die Beweisaufnahme erleichtert und so den Prozess verkürzt. Noch im Laufe der Ermittlungen hatte er allerdings versucht, die Aufklärung zu verhindern:

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen