Tod am Badestrand

Urlauber am Strand des Ostseebades Heringsdorf auf der Insel Usedom. Foto: dpa
Urlauber am Strand des Ostseebades Heringsdorf auf der Insel Usedom. Foto: dpa

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04. August 2008, 07:56 Uhr

Rostock/Sassnitz - Die Serie der tödlichen Boots- und Badeunfälle reißt nicht ab. Gestern bargen Rettungskräfte in der Ostsee vor Usedom die Leiche eines siebenjährigen Jungen, der seit Freitagabend vermisst worden war. Nordöstlich von Rügen suchten Helfer unterdessen vergebens nach einem Segler aus Soest (Nordrhein-Westfalen), dessen führerloses Boot am Sonntag etwa 25 Kilometer vor Rügen gefunden worden war. Ein 47- jähriger Mann aus dem Kreis Demmin ertrank am Wochenende in der dänischen Nordsee beim Versuch, seine ins offene Meer treibenden Kinder zu retten, wie die Polizei in Holstebro mitteilte. Die Kinder wurden von einem Freund des Vaters wohlbehalten an Land gebracht.

Insgesamt sind nach Angaben der Wasserschutzpolizei in diesem Jahr bisher 14 Menschen bei Boots- und Badeunfällen in MV ums Leben gekommen. Drei Menschen werden noch vermisst. Im ganzen verregneten Sommer 2007 kamen 13 Menschen bei Unfällen auf dem Wasser ums Leben. Im Vergleich zu anderen Jahren sei die Zahl der schweren Boots- und Badeunfälle mit Todesfolge 2008 allerdings nicht gestiegen, „so traurig jeder Einzelfall selbst ist“, sagte Wasserschutzpolizei-Sprecher Hartmut Richter. Er forderte Hobbykapitäne, Segler und Badegäste auf, mehr als bisher auf Wind und Wetter zu achten.

Der bei Bansin gefundene Junge hatte am Freitag mit seiner Mutter und einem weiteren Kind am Strand gespielt und war allein ins Wasser gegangen. Als die 24-jährige Mutter bemerkte, dass ihr Sohn im Wasser von einer Welle erfasst und hinausgetragen wurde, versuchte sie, ihn selbst zu retten. Dabei geriet die Frau in Not und musste von einem Badegast gerettet werden. Der Junge trieb ab.

In dem Zusammenhang appellierte die Einsatzleiterin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft für die Küste, Mai Bartsch, am Montag an die Badegäste, auf die Warnflaggen zu achten. „Rot bedeutet absolutes Badeverbot, gelb Badeverbot für Kinder“, sagte sie. Derzeit herrsche immer starker Wind, was zu gefährlichen Unterströmungen führe. „Dies reißt einem die Beine weg, vor allem ungeübten Schwimmern“, warnte sie. Besonders ablandiger Wind sei gefährlich. Laut Bartsch hätten erst kürzlich in Boltenhagen Rettungsschwimmer an einem Tag drei Schwimmer im Alter von 57, 69 und 75 Jahren aus dem Wasser gerettet, zwei Tage später einen Siebenjährigen. Alle seien an der gleichen Stelle von einer nicht sichtbaren Unterströmung abgetrieben worden.

Kaum Hoffnungen auf ein Überleben gebe es bei allen drei noch Vermissten, hieß es. So soll der 69-Jährige aus Soest bereits am 30. Juli mit seiner zwölf Meter langen Yacht den Hafen Burg auf Fehmarn (Schleswig-Holstein) in Richtung Osten verlassen haben. An Bord des Segelschiffes, das am Heck eine deutsche Flagge gehisst hatte, habe es keine Spuren gegeben, die auf die Anwesenheit anderer Menschen hindeuteten, sagte ein Polizeisprecher. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Die beiden anderen Vermissten sind laut Polizei ein 55-Jähriger, der Ende Juli auf dem Tollensesee bei Neubrandenburg bei einer Rettungsaktion ins Wasser sprang und nicht wieder auftauchte, sowie ein 59-jähriger Freizeitkapitän, der bereits seit Ende Mai im Stettiner Haff vor Ueckermünde nicht wieder aufgetaucht ist.

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