Thomas Albert aus Wismar trainiert für die Meisterschaft im Treppenlauf

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17. April 2008, 08:24 Uhr

Gepolsterte Feuerschutz-Kleidung, dicke Stiefel, Handschuhe, Maske, Helm und ein 15 Kilogramm schweres Atemschutzgerät auf dem Rücken – Thomas Albert ist startklar. Seine linke Hand ruht auf dem Treppengeländer im Keller der Wismarer Feuerwache. Noch ein paar langsame Züge aus dem Pressluftatmer, ein letzter Blick auf die Uhr, dann läuft Albert los. Immer zwei Stufen auf einmal. Zügig, aber nicht zu schnell. Er weiß, dass er sich seine Kräfte einteilen muss. Das Treppenhaus hat 86 Stufen.

Und die will er neunmal hintereinander erklimmen. 774 Stufen – etwa so viel wie bei der Meisterschaft im Treppenlauf, die die Feuerwehrleute ebenfalls in voller Montur bewältigen müssen. Ab der sechsten Runde muss Albert die Zähne zusammenbeißen, die Beine werden schwer, die Oberschenkel verhärten. Theoretisch müsste sein Puls genauso unaufhaltsam in die Höhe schnellen wie er selbst. Doch Albert konzentriert sich auf seine Atemtechnik, damit er nicht zu viel Luft verbraucht. Eine Flasche mit 300 Bar, mehr darf er auch im Wettkampf nicht verschleißen. Als er die Maske nach der neunten Runde abnimmt, muss er dennoch kräftig durchpusten. Über sein Gesicht kullern Schweißperlen. „Etwa 45 bis 50 Sekunden pro Runde“, keucht er zufrieden.

Dabei sein ist nicht alles

Wenn er das am 12. Mai in Berlin wiederholen könnte, hätte er gute Chancen, sein Ziel zu erreichen: eine Zeit von etwa acht Minuten und eine Platzierung unter den ersten fünf seiner Altersklasse. Im Gegensatz zu den TFA-Wettkämpfen (Toughest Firefighter Alive) für die härtesten Feuerwehrmänner ist er beim Treppenlauf allerdings kein Einzelkämpfer. Immer zwei Teilnehmer müssen als Team antreten – und auch als Team auf der Dachterrasse des Park Inn ankommen.

Dabei kann Albert auf seinen langjährigen TFA-Weggefährten Ralf Hensel (39) aus Neubrandenburg zurückgreifen. Gemeinsam wollen die beiden Himmelsstürmer möglichst viele der rund 160 Konkurrenten hinter sich lassen. Dabei sein ist eben nicht alles. „Wenn ich schon mitmache, möchte ich auch eine gute Platzierung erreichen“, sagt der ehrgeizige Feuerwehrmann aus Wismar. Dafür trainiert er mit eiserner Disziplin in seiner Freizeit und während der Bereitschaft. Schließlich muss er sich in seinem Beruf ohnehin fit halten. Zehn Stunden Training pro Woche kommen da locker zusammen.

Trainigsdummie aus der Seenotrettung
Seine Kondition fördert er mit Laufen und Radfahren, seine Muskeln stählt er im Kraftraum der Wache – und seinen Rücken stärkt seine Frau. Denn die hat Verständnis für sein extremes Hobby und begleitet ihn zu Wettkämpfen, um ihn anzufeuern, wie Albert erzählt.

Dazu wird sie auch in diesem Jahr wieder mehrfach die Gelegenheit haben. Denn der Treppenlauf, an dem Albert zum ersten Mal teilnimmt, ist nicht der einzige Wettbewerb. Ende Juni steht die TFA-Europameisterschaft in Mönchengladbach an. Vor drei Jahren hat Albert beim Titelkampf in Hannover schon einmal den zweiten Platz in seiner Altersklasse belegt.

Ende August werden dann die 10. „World Firefighters Games“ in Liverpool ausgetragen – die Weltmeisterschaft der Feuerwehrleute. Beim TFA geht es nicht nur darum, 15 Stockwerke mit voller Ausrüstung hochzuhechten. An insgesamt vier Stationen müssen die Teilnehmer unter anderem eine drei Meter hohe Wand überwinden, 80 Meter lange Schläuche ziehen oder ein 90 Kilo schweres Schultergewicht über 100 Meter tragen. Bei der WM werden die Bedingungen sogar noch verschärft.

Statt eines Schultergewichtes müssen die Feuerwehrleute dann beispielsweise eine entsprechend schwere und weniger handliche Puppe hochwuchten und schleppen. Eine Disziplin, in der Albert bei der WM vor zwei Jahren in Hongkong das Zeitlimit überschritten hatte. Damit ihm das nicht noch einmal passiert, hat er sich am Wismarer Hafen einen Trainingsdummie aus der Seenotrettung besorgt. Den will er jetzt noch mit Hanteln beschweren, damit er ihn unter Wettkampf-Bedingungen über den Hof der Wismarer Feuerwehr tragen kann.

„Ein bisschen verrückt muss man schon sein“
„Ein bisschen verrückt muss man schon sein, wenn man bei einer Disziplin an den Start geht, die auch Ironman für Feuerwehrleute genannt wird“, sagt Albert mit einem Augenzwinkern. Aber er kann nicht anders: Seit er 2002 aus Neugier einen TFA-Wettkampf mitgemacht hat, ist er infiziert. Das Ganze ist schließlich nicht nur Spielerei. Alle Stationen haben auch etwas mit der täglichen Arbeit bei der Feuerwehr zu tun.

Das honoriert auch Wismars Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken, die dafür sorgt, dass der härteste Feuerwehrmann Mecklenburgs finanziell unterstützt wird, wenn er im Ausland die Stadt repräsentiert und die Landesfahne hochhält. Zuspruch erfährt Albert auch von seinen Kollegen, die ihm beim Training helfen. „Vor seiner Leistung habe ich Hochachtung“, sagt Wolfgang Gursupp von der ersten Wachabteilung. „Das ist echter Kampfsport.“

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