zur Navigation springen
Übersicht

20. Oktober 2017 | 00:01 Uhr

Thierse auf "Tour für Demokratie"

vom

svz.de von
erstellt am 20.Sep.2010 | 07:24 Uhr

ludwigslust | Prominenter Besuch gestern beim Projekt "Lola für Ludwigslust" der Amadeu Antonio Stiftung: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) war auf seiner "Tour für Demokratie" in MV unterwegs.

Eigentlich richtet sich "Lola für Lulu" gezielt an Mädchen und Frauen. Sie sollen motiviert werden, sich gegen Rechtsextremismus und für den Erhalt der Demokratie in Ludwigslust einzusetzen. Bei der eineinhalbstündigen Gesprächsrunde am Alexandrinenplatz ging es gestern aber um das Phänomen Rechtsextremismus allgemein und seine sichtbaren Auswirkungen in der Region. Thierse war vor allem Frager, wollte die Situation an der Basis kennenlernen.

In den letzten Jahren hat es einen Umbau rechtsextremer Strukturen gegeben, um so eine Akzeptanz solcher Positionen in der Bevölkerung zu erlangen. Die NPD schlüpft in die Rolle des "Kümmerers" und kann sich so zunehmend als bürgerliche und sozial engagierte Organisation präsentieren.

Anne-Rose Wergin, Projektleiterin von "Lola für Lulu", nennt das Problem der fehlenden demokratischen Grundeinstellung in weiten Teilen der Bevölkerung besonders auf dem flachen Land, das von der friedlichen Revolution 1989 geradezu überrollt worden ist. "Wir müssen die Frage beantworten, wie man Leuten Demokratie so erklären kann, dass sie sie als persönliche Bereicherung empfinden", sagte sie.

Besonders interessiert zeigte sich Wolfgang Thierse am "Volx Mobil" der evangelischen Jugend Schwerin, einem Förderprojekt von "Lola für Lulu". Teamleiter Thomas Ruppenthal berichtete über die Strategie der Präsenz in den Plattenbaugebieten von Neustadt-Glewe und Boizenburg, von den Bemühungen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen über ihre Alltagskümmernisse in der Wohnumwelt, so das "Kümmerer-Image" der Rechtsextremen zu neutralisieren. In Neustadt-Glewe eröffnet das Team jetzt ein Stadtteilbüro, um längerfristig mit den Bürgern zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit Familien, Jugendlichen und auch älteren Menschen hat das Team schon zwei Spielplätze saniert und plant auch eine Pfadfindergruppe.

Demokratische Kultur braucht ihre Strukturen, und die benötigen Geld. Da herrscht Alarmstimmung. "Die kommunale Finanzausstattung bricht gerade zusammen", unterstrich Landrat Rolf Christiansen und machte auf die nötige Unterstützung etwa von Sportvereinen und der Jugendarbeit aufmerksam. Und auch der Ludwigsluster Bürgermeister Reinhard Mach mahnte: "Die Finanzierung von Lokalen Aktionsplänen für Demokratie darf uns nicht wegbrechen!"

In Lübtheen ist der Ernstfall schon eingetreten. Das gerade zu Ende gegangene Lindenfest unter dem Motto "Demokratie braucht dich!" ist komplett aus privaten Mitteln finanziert. Bürgermeisterin Ute Lindenau ist auch in diesem Jahr Klinken putzen gegangen, um die Mittel aufzubringen. "Wir haben als Stadt schon lange kein Geld mehr dafür", sagte die Bürgermeisterin dem Bundestagsvizepräsidenten. In Lübtheen holte der NPD-Landtagsabgeordnete Udo Pastörs 2006 für seine Partei 16 Prozent der Stimmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen