Thermohose und Sonnencreme - Von Menschen, die während ihrer Arbeit extremen Temperaturen ausgesetzt sind

Bewundernswert: Alle 20 Minuten  holen Hagen Böhm (l.) und Jacob Ferchland die  Würstchen aus dem 85 Grad heißen Ofen.  Foto: Annett Habermann
2 von 3
Bewundernswert: Alle 20 Minuten holen Hagen Böhm (l.) und Jacob Ferchland die Würstchen aus dem 85 Grad heißen Ofen. Foto: Annett Habermann

von
28. Juli 2008, 06:45 Uhr

Lübz - Atemwölkchen und sieben Grad Celsius schlagen Besuchern des Hareico Fleischwaren-Betriebes in den Kühlräumen entgegen. Ein Traum von Erfrischung, die langsam unter die dünne Schutzkleidung kriecht und für Gänsehaut sorgt. Gedanken an Wärme und Sonne wollen dennoch nicht kommen. Für viele Menschen ist es draußen derzeit so unerträglich, dass sie froh sind, an einem kühlen Arbeitsplatz ihr Geld zu verdienen.

Heißer Kaffee gegen kalte Hände
Sabine Möller aus Benzin ist eine von diesen Glücklichen. Im Verpackungsraum überwacht sie bei sieben Grad Celsius den Arbeitsablauf. Was sie trägt? „Einen Thermopullover, Thermoweste, Thermohose und den Kittel drüber“, so die 47-jährige Qualitätskontrolleuerin. „Ja, hier ist es sehr erfrischend, aber ein Problem habe ich damit nicht.“ Nur manchmal kalte Hände, die sie sich in der Pause mit heißem Kaffee aufwärmt.

Zwei Räume weiter wischt sich Hagen Böhm den Schweiß von der Stirn. 38 Grad herrschen in der Räucherei, er könnte genauso gut draußen unter der prallen Sonne arbeiten. Als Mitarbeiter der Rauchabteilung ist er es gewöhnt, zwischendurch das T-Shirt zu wechseln und viel zu trinken.

„Mindestens zwei Liter am Tag. Und nach Feierabend geht’s unter die Dusche.“ Praktikant Jacob Ferchland weiß schon jetzt, dass er am Nachmittag irgendwo in den See springen wird. Auch er trägt T-Shirt, Kittel und Gummistiefel.

40 bis 50 Mal pro Schicht holen die beiden Männer die geräucherten Würstchen aus dem Rauchofen. Darin zeigt das Thermometer 85 Grad.

Im Schatten unter ein paar Bäumen haben die Straßenbauarbeiter in der Schillstraße gerade ihre Mittagspause beendet. Die beiden Auszubildenen Philipp Petrat und Stefan Waack verteilen dick Sonnencreme auf ihren Rücken. Nach einem großen Schluck Eistee geht es mit Sonnenbrille und Kopfbedeckung zurück an den Arbeitsplatz, eine staubige Piste – ohne das kleinste Fleckchen Schatten.

„Bedeckter Himmel bei 25 Grad, das wäre ideal!“
„Wir haben den ganzen Tag Sonne“, sagt Vorarbeiter Herbert Ziesmer. „Außerdem ist das hier wie ein Trichter, rechts und links Häuser, da kommt kein Windzug an.“ Der helle Kies tue sein Übriges. „Der zieht die Sonne an. Bedeckter Himmel bei maximal 25 Grad, das wäre ideal zum Arbeiten!“ Doch derzeit bleibe ihnen nichts anders übrig, als zu Sonnencreme, Hut und Wasserflasche zu greifen auf kühlere Tage zu hoffen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen