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Für künftige Fälle vorsorgen : Theologe: Regeln für Papst-Rücktritte schaffen

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Der Rücktritt Benedikt XVI. zwingt die katholische Kirche nach Ansicht des Theologen Knut Wenzel, Regeln für einen Rückzug von Päpsten zu schaffen. Sogar eine Wahl auf Zeit oder die Abwahl hält Wenzel für möglich.

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2013 | 11:28 Uhr

Auch eine Wahl auf Zeit oder sogar Abwahl hält Wenzel auf lange Sicht keineswegs für unmöglich. "Mit dem ungewöhnlichen Schritt setzt der Papst einen Akt, der ganz gegen die Tendenz der bisherigen Ausübung dieses Amtes geht", sagte der Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Universität Frankfurt. Man müsse nun sehen, ob sich dies mittel- oder langfristig zu einer "ganz neuen Kultur des Umgangs mit dem kirchlichen Amt" entwickle.

Papst Benedikt XVI. hatte am Montag völlig überraschend angekündigt, sein Pontifikat aus Altersgründen zu beenden. Er habe mit seiner Entscheidung ein Zeichen gesetzt und gezeigt, dass man auch dieses Amt durchaus nur auf Zeit ausüben könne, sagte Wenzel.

"Da sind jetzt Türen geöffnet worden zu einem noch gar nicht ausformulierten neuen Verständnis des Amtes eines Papstes. Ein Amt, das man nur auf Zeit innehat, wäre ja zum Beispiel auch ein Wahlamt, von dem man auch abgewählt werden könnte."

Andere Kirchen hätten diese Fristen im Amt auch. "Die Ausgestaltung des Amtes in der katholischen Kirche scheint mir historisch bedingt zu sein", sagte Wenzel. Die Kirche habe im Laufe ihrer Geschichte immer wieder von den umliegenden Kulturen und Gesellschaften sowie von deren Organisationsformen gelernt. "Warum sollte sie das in Zeiten der Demokratie nicht mehr können?"

Wichtig sei es allerdings, für künftige Fälle vorzusorgen, sagte Wenzel: "Sollte es wieder ein Pontifikat geben, in dem ein Papst alt und krank wird, hat der kirchliche Gesetzgeber die Aufgabe, Regelungen zu schaffen." Diese habe es bislang natürlich nicht gegeben: Für das Papstamt sei der Fall des Rücktritts bislang beinahe präzedenzlos, sagte Wenzel.

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