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Schweriner Streitgespräch Kultur ohne Streit, aber mit Kultur : Theaterdebatte: Lösungen vertagt

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Die Goldmarie würde sie gern mal spielen, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow auf die Frage von Jürgen Seidel, der das Streitgespräch Kultur moderierte. Dann könne sie das Geld ausreichen, das das Theater brauche.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 12:07 Uhr

Die Goldmarie würde sie gern mal spielen, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow auf die Frage nach ihrer Traumrolle von Jürgen Seidel, der das dritte Streitgespräch Kultur gestern Abend im Schleswig-Holstein-Haus moderierte. Denn dann könne sie das Geld ausreichen, das das Theater brauche. Doch das gehe eben nur im Märchen. Um im realen Leben angesichts des Defizits der Theater gGmbH eine Insolvenz abzuwenden, habe sie soeben dem Hauptausschuss vorgeschlagen, die im Wirtschaftsplan fehlenden Mittel durch die Stadt zu finanzieren. "Das Theater ist ein Standortvorteil für Schwerin, ein Imageträger, vor allem aber ein Wirtschaftsfaktor", betonte Gramkow und fragte: "Welcher Unternehmer würde wohl sein bestes Zugpferd abschaffen?

Theaterintendant Joachim Kümmritz hörte das gern. Denn seine Lieblingsrolle habe er bereits: Theaterdirektor - und die würde er gern noch eine Weile spielen. Dass diese Rolle indes kein Zuckerschlecken sei, machte er an Zahlen deutlich: Das Sparpotenzial sei ausgeschöpft, die Einnahmen kaum noch zu steigern. Mit 25 Prozent Eigeneinnahmen gehöre das Staatstheater zu den effizientesten in Deutschland.

Das bestätigte Dr. Enoch Lembke sofort, Abteilungsleiter Kultur im Kultusministerium, der im Theater gern mal die Rolle eines Souffleur übernehmen würde. "Der Durchschnitt in der Bundesrepublik liegt bei 16 Prozent", sagte Lemke. Dennoch werde das Land, das seit Jahren 38,5 Millionen Euro für die Theater- und Orchesterförderung im Land ausgebe und das auch bis 2020 tun wolle, an dieser Summe nichts ändern, soufflierte er.

Dies indes war dann doch der Punkt, wo Streit im Podium aufflackerte. Gramkow verwies darauf, dass das Staatstheater, das gerade mit seiner Produktion "Der Biberpelz" zur Oscar-Verleihung der Theaterbranche nach Berlin eingeladen war, in einer anderen Liga als andere Häuser im Lande spiele. Dies müsse sich denn auch in der Unterstützung des Landes für seinen kulturellen Leuchtturm widerspiegeln.

"Theater wird von Menschen gemacht. 85 Prozent unserer Ausgaben sind Personalkosten. Auch bei uns gibt es Tariferhöhungen wie in allen anderen Branchen. Die lassen sich über die Jahre bei konstanten Zuschüssen einfach nicht erwirtschaften", erläuterte Kümmritz. Rückendeckung bekam er von CDU-Landtagsmitglied Dr. Armin Jäger. Der forderte in der Diskussion ebenfalls, dass das Land sich nicht seiner Verantwortung für das Staatstheater entziehen dürfe. "Auf den alteingefahrenen Bahnen kommen wir nicht weiter", sagte Jäger. Und noch mehr gespart werden dürfe am Theater nicht.

Dass in der Kultur in neuen Richtungen gedacht werden müsse, betonte auch Torsten Jahn, der Vierte im Podium. Das Schweriner Theater habe ihn in seiner Jugend entscheidend mitgeprägt, erzählte der Geschäftsführer der Filmland MV gGmbH. Es sei auch heute noch genau wie damals in der Theater- und in der Filmbranche so, dass engagierte Künstler für das Publikum arbeiten, Leute, die für ihre Arbeit brennen und nicht zuerst nach Geld fragen. Schön wäre es, wenn das die Gesellschaft honorieren würde.

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