Theater ums Theater

Wenn Jörg Vierkant (CDU) Katja Ebstein zitiert und Torsten Koplin (Linke) seine Redenotizen auf zwei Theaterkarten schreibt, dann heißt es Vorhang auf im Parlament: Die Landtagsabgeordneten debattierten gestern über das Theaterkonzept – und gaben eine durchwachsene Vorstellung.

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26. September 2008, 07:23 Uhr

Schwerin - „Sie setzen jeden Abend eine Maske auf und sie spielen, wie die Rolle es verlangt...“ Nein, Katja Ebstein hatte sich gestern nicht in das Schweriner Parlament verirrt. Aber Jörg Vierkant hatte offenbar ihren Text auswendig gelernt. Mit dem Zitat wolle er nur kritisieren, dass „der eine oder andere das Parlament mit einer Bühne verwechselt“, sagte der CDU-Politiker. Schließlich ging es um eine ernste Sache: die Zukunft der Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern.

Dennoch war die Debatte nicht frei von bühnenreifen Auftritten. So hatte Torsten Koplin von der Linksfraktion seine Rede auf zwei Eintrittskarten geschrieben. Begründung: Bildungsminister Henry Tesch (CDU) habe gefordert, wer sich zum Theater äußere, solle seine Billets daneben legen. Generell sehe er aber nicht ein, dass sich nur Spezialisten zu gesellschaftlichen Fragen äußern sollen, meinte Koplin. Tesch fühlte sich nicht nur missverstanden, sondern schoss auch sogleich zurück: „Sie versuchen, die Leute zu vernebeln. Ich habe nicht gesagt, dass man Schauspieler werden muss so wie Sie.“

Zuvor hatte Tesch die geplanten Veränderungen in der Theater- und Orchesterlandschaft von MV verteidigt. Die Landesregierung will die Förderung von 35,8 Millionen Euro bis 2020 festschreiben. Im Gegenzug rollt auf die Theater eine Fusionswelle zu. Langfristig soll es nur noch zwei „Kulturkooperationsräume“ geben, mit je einem Mehrspartentheater und einem Orchester. Ein „Weiter so“ sei nicht möglich, betonte Tesch im Parlament. Allein wegen der Tarifsteigerungen müssten bei der gegenwärtigen Struktur im Jahr 2020 rund 17 Millionen Euro mehr aufgebracht werden. Gemessen an der Wirtschaftsleistung gebe MV mehr Geld für Kultur aus als andere Länder. Der SPD-Abgeordnete Klaus-Michael Körner sagte, dass auch die Intendanten hinter verschlossenen Türen anerkennen würden, dass es zu Veränderungen keine Alternative gebe.

Nach Auffassung von Torsten Koplin stellen die Regierungspläne dagegen einen Kahlschlag dar. Die Festschreibung der Mittel ignoriere zudem die Inflationsrate. Durch die Fusionen werde in Kauf genommen, dass 180 Künstler ihre Arbeit verlieren würden. „Wir müssen mehr Geld in die Hand nehmen“, forderte Koplin.

Ebenso wie die Linke hatte auch die FDP einen Antrag zur Veränderung des Konzeptes gestellt. Hans Kreher von den Liberalen rief dazu auf, das bürgerliche Engagement und die wirtschaftliche Dynamik der Kultur stärker einzubeziehen. Dazu gehörten auch Qualitäts- und Leistungskriterien. Mit dem jetzigen Konzept „aus neun mach zwei“ werde die Theater- und Orchesterlandschaft dagegen totgespart, bemängelte Kreher.

Mit der Ablehnung beider Oppositonsanträge durch die Regierungsmehrheit fiel schließlich der Vorhang für die gestrige Parlamentsdebatte – und Jörg Vierkant bemühte noch einmal Katja Ebstein: „Alles ist nur Theater und ist doch auch Wirklichkeit.“

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