Theater: Parteien wollen drei Sparten retten

Schauspiel: Das Ensemble läuft nach derzeitigen Planungen nicht Gefahr, eingestampft zu werden.
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Schauspiel: Das Ensemble läuft nach derzeitigen Planungen nicht Gefahr, eingestampft zu werden.

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13. August 2008, 07:20 Uhr

Rostock - SPD, CDU und Bündnis 90 in der Hansestadt wollen aus dem Vier-Spartentheater eine abgespeckte Version mit drei künstlerischen Bereichen machen. Lediglich das Ballett soll ausgegliedert werden. Mit diesem Vorschlag reagieren die Parteien auf Pläne von Oberbürgermeister Roland Methling, der im September in der Bürgerschaft über ein Volkstheater mit nur zwei Sparten – nämlich Schauspiel und Orchester – abstimmen lassen will.

100 Mitarbeiter müssten gehen
„Wir verstehen unseren Antrag als Prüfauftrag, als einen ersten Ansatz, um einen Kahlschlag am Theater zu verhindern“, beschreibt SPD-Fraktionsführer Rainer Albrecht. Demnach könnte auch ein Drei-Spartenmodell die Einsparungen bringen, die die Bürgerschaft bereits 2006 und 2007 beschlossen hat. Nach den Plänen soll in allen Bereichen gleichmäßig, dafür aber kräftig gespart werden. Die Sparwut trifft vor allem das Personal. Von den 350 Mitarbeitern im technischen und künstlerischen Bereich sollen mittelfristig etwa 100 gehen. Dazu verzichtet das Volkstheater Rostock auf ein eigenes Ballett. Dieses soll in einer Landes-Tanzkompagnie aufgehen – für das dann Schwerin finanziell aufkommt.

Nur so könne eine zukunftsorientierte und entwicklungsfähige Spielstätte in und für Rostock erhalten bleiben, die trotz der Einschränkungen ein qualitativ angemessenes Angebot vorstellen könne, begründen SPD, CDU und Bündnis 90 in ihrem Antrag. In einer Expertise mit dem Titel „Strukturvarianten für das Volkstheater Rostock“ wird der finanzielle Effekt einer solchen Variante mit einigen Millionen Euro beziffert. Allerdings frühestens ab 2011.

Der städtische Zuschuss von derzeit etwas mehr als sieben Millionen Euro könnte auf etwa sechs Millionen Euro sinken. Deutlich über dem Betrag der Zwei-Spartenvariante, die von einer jährlichen Finanzspritze von nur noch drei Millionen Euro ausgeht. In dem Gutachten wird gleichwohl selbst für die gemäßigte Variante kritisch angemerkt: „Die Angebote der Sparten werden deutlich reduziert. Die Qualität wird sinken. Im Konzert- und Opernbereich sind viele Werke nicht spielbar.“ Für beide Modelle wären Abfindungen fällig. Nach ersten Schätzungen 2,2 Millionen Euro für die Zwei-Sparten-Lösung, 1,6 Millionen für die Variante ohne Ballett.

Chefs können mit Variante leben
Mit dem Kompromissvorschlag kommen SPD, CDU und Bündnis 90 dem Oberbürgermeister einen Schritt entgegen und verteidigen gleichzeitig eigene Interessen. Denn mit Liane Melzer übernimmt eine Sozialdemokratin im Oktober den Senatsbereich Kultur. Bei ihrer Wahl im Juli hatte sie noch die Bedeutung von Theatern hervorgehoben. Die Variante sei mit ihr abgestimmt, erklärt SPD-Fraktionsführer Albrecht.

Auch der designierte Geschäftsführer der geplanten Theater-GmbH, Kay-Uwe Nissen (CDU), hatte sich bisher gegen Spartenschließungen ausgesprochen. Zunächst müssten Einnahmen etwa durch einen effizienteren Sommerspielplan gesteigert werden. „Drei Sparten plus Landesballett ist eine Variante, die geprüft werden muss.“

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