Theater: Methling will es wie Stralsund machen

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10. März 2008, 07:28 Uhr

Rostock - Es ist ein Bild, das sich selbst böse Karikaturisten nicht besser hätten ausmalen können: Ausgerechnet Rostocks rigider Sparbürgermeister Roland Methling sitzt im Parkett des für 15 Millionen Euro sanierten Theaters Vorpommern und träumt von einer Millionen-Investition für das Rostocker Volkstheater. Auch wenn sich der Rathauschef die neue prestigeträchtige Spielstätte noch nicht von innen angeschaut hat, lässt ihn ein Gedanke nicht mehr los: „Diese Sanierung ist ein gutes Beispiel dafür, was man erreichen kann, wenn man Vermögenswerte umstrukturiert.“

31 Millionen Euro gab es für das Hanse-Klinikum

2004 hatte Stralsund sein Hanse-Klinikum für 31 Millionen Euro an die private Damp-Gruppe verkauft, den mittlerweile größten Krankenhaus- und Tourismusbetreiber in Norddeutschland. Ein Jahr später musste das Theater aus brandschutztechnischen Gründen schließen. Seitdem wird das Haus am Olaf-Palme-Platz aufwendig saniert und nach alten Plänen rekonstruiert – mit dem Geld aus dem Krankenhaus-Verkauf. Insgesamt 15 Millionen Euro musste Stralsund ausgeben, eine Förderung vom Land floss nur spärlich. Lediglich zehn Prozent des Betrages wurden aus Städtebau-Fördermitteln gedeckt. Eine höhere Summe wäre in Rostock auch nicht zu erwarten.

Deshalb soll nun das Modell Stralsund auch in Rostock umgesetzt werden. Die Hälfte aus dem Verkauf der Südstadtklinik könnte in einen Theaterneubau investiert werden, sinniert Methling. „Das wäre eine angemessene Größenordnung.“ Ein Gutachter hat für das kommunale Krankenhaus einen Marktwert von 40 bis 55 Millionen Euro errechnet. Doch die Verkaufspläne stocken. Denn der Vorzugsabnehmer, das Land Mecklenburg-Vorpommern, will nicht so recht. Und einem privaten Investor traut die Bürgerschaft nicht über den Weg. Mit der Schweizer Ameos-Gruppe hat ein namhafter Krankenhausbetreiber Interesse bekundet.

Die Parteien in der Bürgerschaft sehen in dieser Methling-Initiative deshalb nur ein Vorschub-Argument für einen schnellen Verkauf der Südstadtklinik. Vor allem die SPD drückt auf die Bremse. „Wir stehen für einen starken Medizinstandort Rostock. Das geht auch ohne einen Verkauf der Südtstadtklinik an Dritte“, sagt Kreisvorsitzender Reinhard Dankert.

40 Millionen Euro für Theaterneubau

CDU-Fraktionschef Franz Laube sieht in dem Vorschlag blanken Populismus. Der Oberbürgermeister würde seine Linie verlassen. Bisher galt: Der Verkauf von städtischem Tafelsilber wird eins zu eins in den Abbau des Schuldenberges gesteckt, der sich mittlerweile auf rund 250 Millionen Euro aufgetürmt hat und die Stadt jährlich mit Zinsen in Höhe von elf bis zwölf Millionen Euro belastet. Ohne Schulden keine Kreditzinsen, kein strukturelles Defizit und keine Probleme mehr. Das war bisher die Methling-Strategie.

Stralsund habe einen „sehr überzeugenden Weg aufgezeigt“, rechtfertigt der Oberbürgermeister, der zumindest an dem Theaterneubau festhält. Am 24. Juni 2018 – dem Tag der 800-Jahr-Feier der Hansestadt – soll der Festakt in einer neuen Spielstätte begangen werden. Obwohl eine Entscheidung zum Standort noch nicht gefallen ist und konkrete Pläne fehlen, wird mit einer Investitionssumme von 40 Millionen Euro kalkuliert.

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