Teurer als der Palast der Republik

1990 sah sich die Bundeswehr in dem Technikraum um. Fotos: dpa; ddp
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1990 sah sich die Bundeswehr in dem Technikraum um. Fotos: dpa; ddp

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01. August 2008, 09:15 Uhr

Prenden - Für das streng geheime Objekt 17/5001 in einem Wald bei Prenden nördlich von Berlin war der DDR-Führung nichts zu teuer. Der Honecker-Bunker mit knapp 400 Räumen auf drei unterirdischen Etagen, Westtechnik in der Schaltzentrale, eigenem Brunnen, Klimaanlage, meterdicken Betonwänden, bestens ausgestatteter Küche und einem Konferenzraum für den engsten Führungszirkel sei teurer als der Palast der Republik gewesen, sagte Sebastian Tenschert vom Verein Berliner Bunker Netzwerk. Knapp 19 Jahre nach der Wende steht er nun erstmals Besuchern offen.

400 Leute konnten 14 Tage überleben
Bis Ende Oktober können sich Interessierte bei Führungen zeigen lassen, wie der Nationale Verteidigungsrat der DDR unter Erich Honecker im Kriegsfall in dem gigantischen Bollwerk ausharren und sich im märkischen Sand vor atomaren, chemischen oder biologischen Anschlägen schützen wollte. Maximal 14 Tage hätten hier 400 Leute – die Führungsspitze samt Mitarbeitern – überleben können. Danach werde der Eingang wie eine Zeitkapsel mit dickem Beton verschlossen, um den Bunker vor weiterem Vandalismus zu schützen, so Tenschert.

Ständige Führungen oder ein Museum seien nicht finanzierbar, winkt die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Eigentümer ab. Dass der Bunker mit original erhaltener Technik jetzt besichtigt werden kann, ist letztendlich Abenteurern und Schrottdieben zu verdanken – sie waren in den bereits 1993 verschlossenen Bau immer wieder illegal eingedrungen.

Deshalb sichert nun der Verein Berliner Bunker Netzwerk das Areal und bietet die Führungen an. Sebastian Tenschert ist vor allem von der Technik fasziniert. „Das ist ein einzigartiges Bauwerk“, sagte der 33-Jährige.

Ein schmaler Eingang führt in die „Ausweichführungsstelle“ mit langen, dunklen Gängen und schweren Stahltüren. Auf einer blauen Linie am Boden sollten mit Kampfstoffen verseuchte Mitarbeiter zur Entaktivierung in eine schmale Dusche gehen. In dem schmalen Raum, in dem Honecker übernachten sollte, lehnt nur noch ein leerer Bilderrahmen an einer Wand mit schimmeliger Streifentapete. Auch das angrenzende Chef-Arbeitszimmer war in einen aufgehängten Stahlcontainer integriert, der Erschütterungen von außen abfedern sollte.

Nur wenige Kilometer von Wandlitz entfernt, wo die DDR-Führung abgeschottet lebte, wurde der Bunker am 13. Dezember 1983 in Dienst gestellt. Der bis zu 21 Meter in der Erde liegende Bau war als großer Erdhügel getarnt, umgeben von einem Stasi-Städtchen, zu dem die Einwohner des Dörfchens Prenden keinen Zugang hatten.

Major Heiner Brückermann von der Bundeswehr sagt: „Die DDR-Führung ging von einer permanenten Bedrohung aus.“ Auf Karten aus dem DDR-Führungsstab seien fiktive Angriffspfeile der NATO eingezeichnet gewesen. Und die Geheimhaltung war so hoch, dass sich nicht mal die Stasi-Mitarbeiter in dem Bunker frei bewegen konnten.

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