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Bützow: Diskussion um Umbenennung der Leninringes und Leninplatzes : Tendenz:Tage für Leninring gezählt

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"Traut man sich erst jetzt, dieses Thema aufzugreifen?", fragt sich Hans Borkow aus dem Leninring 64. Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist es aus seiner Sicht höchste Zeit.

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erstellt am 22.Jan.2011 | 10:03 Uhr

SVZ erreichten in dieser Woche etliche Meinungen zur möglichen Umbenennung des Leninringes und des Leninplatzes, die durch die Stadtvertretung im November angeschoben wurde. Alle Bützower - nicht nur die Bewohner am Leninring und am Leninplatz - sind aufgefordert, ihre Meinung zu äußern. Ein eigens dafür entworfener Fragebogen, erschienen im amtlichen Mitteilungsblatt für Januar, kann bis zum Ende des Monats ausgefüllt und bei der Stadt abgegeben werden.

Vorschlag: bei Neubenennung keine Persönlichkeit wählen

Natürlich, so meint Hans Borkow, könne man die Geschichte nicht auslöschen, aber man müsse auch nicht ständig an diese Zeit erinnert werden. Er selbst habe beim Aufbau des Wohngebiets mit geholfen. Bei der Benennung der Straßen habe man kein Mitspracherecht gehabt. "Ich weiß, dass eine Umbenennung Kosten und Laufereien verursacht. Das muss jeder selbst entscheiden", denkt Hans Borkow. Er plädiert dafür, nicht wieder für die Benennung Persönlichkeiten auszuwählen.

Christa Gröschel begrüßt die öffentliche Diskussion über die Umbenennung von Straßen in Bützow. "Wenngleich sich die Geister an der Person Lenins scheiden, sind die wissenschaftlichen Aussagen eindeutig: Lenin setzte zur Erreichung seiner Ziele brutalste Gewalt ein und er wäre in einer parlamentarischen Demokratie ohne Zweifel wegen Massenmordes zur Verantwortung gezogen worden", schreibt sie. Diese historische Tatsache sei der wesentliche Grund dafür, dass sie Lenin keine Straße mehr widmen möchte. Gut findet sie den Vorschlag von Renate Richter, den Bützower Volkskundler und Historiker Hans-Wilhelm Barnewitz durch die Benennung Barnewitz-Ring oder Barnewitzstraße zu ehren. "Werden doch Verbundenheit und Heimatgefühl in jeder Stadt durch deren Söhne und Töchter vertieft", erklärt sie. Ihr Vorschlag (ausgehend vom Warnowweg stadteinwärts) lautet: Am Karpfenteich oder Am Warnowgrund.

Christa Gröschel verweist auf eine öffentliche Mitgliederversammlung des CDU-Regionalverbandes "Bützower Land" am 22. Februar um 19 Uhr im Bützower Hof zum Thema "Lenin - er rührte an den Schlaf der Welt" mit dem Historiker Dr. Fred Mrotzek.

Veronika Wolschon verweist auf Lenins Praktiken bei der Verfolgung von Christen. Sie zitiert aus einem Brief an Molotow. Da heißt es, dass "wir gegen die Geistlichen einen entscheidenden und gnadenlosen Krieg führen müssen". Und: "Je mehr Geistliche wir erschießen, desto besser." Veronika Wolschon fragt deshalb: "Können wir in unserer Stadt Bützow, einem Ort der Vielfalt, einen solchen Mann weiterhin die Ehre erweisen, dass eine Straße oder ein Platz nach ihm benannt sind?"

Bärbel Jochens denkt anders. "Warum müssen wir die Straße 20 Jahre nach der Wende umbenennen?", fragt sie. Zudem koste solch eine Umbenennung doch auch Geld. Sie nehme den Begriff Lenin im Straßennamen gar nicht mehr wahr, es sei doch ein Straßenname wie jeder andere auch beispielsweise ,Gartenstraße. "Gibt es denn keine anderen Probleme, die man in Bützow lösen müsste?", fragt sich Bärbel Jochens.

Auf der Grundlage des Umfrageergebnisses entscheidet die Stadtvertretung voraussichtlich im März darüber, ob einen Umbenennung der Straße und des Platzes erfolgt oder nicht.

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