Telekom schließt Callcenter

Bislang boomten Callcenter in Schwerin. Noch arbeiten in der Stadt 2400 Mitarbeiter in der Branche. Foto: dpa
Bislang boomten Callcenter in Schwerin. Noch arbeiten in der Stadt 2400 Mitarbeiter in der Branche. Foto: dpa

Schock für den Schweriner Arbeitsmarkt: Die Deutsche Telekom will auch ihr Callcenter in der Landeshauptstadt schließen, wovon laut Gewerkschaft ver.di rund 200 Mitarbeiter betroffen sind. Das vom Konzern gestern angekündigte Angebot, die Angestellten könnten künftig in Hamburg arbeiten, wiesen Arbeitnehmervertreter und Politiker zurück. Die Belegschaft des Telekom-Callcenters in Lankow will heute demonstrieren.

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21. August 2008, 08:38 Uhr

Schwerin - „Das ist ein Skandal“, sagt Ute Evers, Bezirksgeschäftsführerin der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), als sie von der gestern verkündeten Schließung auch des Telekom-Callcenters in der Landeshauptstadt – dem letzten Standort dieser Art des Konzerns in MV – erfuhr. DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter sieht in der Schließung der bundesweit insgesamt 39 Telekom-Callcenter „ein weiteres Negativbeispiel dafür, dass Renditeerwartungen über die Lebensinteressen von Beschäftigten gestellt werden sollen“.

Das gestern vom Konzern unterbreitete Angebot, die meisten Mitarbeiter der schließenden Standorte könnten künftig in den 24 fortbestehenden Callcentern arbeiten, hält ver.di-Bezirkschefin Evers für illusorisch und scheinheilig: „Für die Schweriner Mitarbeiter würde dies tägliches Pendeln nach Hamburg bedeuten. Selbst wenn es Umzugskostenbeihilfe oder Kilometergeld geben sollte, würde sich so eine Arbeit insbesondere für Teilzeitkräfte nicht lohnen.“ Evers wirft der Telekom-Spitze vor, viele Mitarbeiter „mit allen Möglichkeiten aus dem Unternehmen jagen“ zu wollen.

Stadt will bei Telekom Protest einlegen
Schwerins amtierender Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff sprach von „einem schweren Schlag gegen einen hochwichtigen Arbeitsplatzsektor der Stadt, in dem bislang 2400 Menschen beschäftigt sind“. Bei den von der Schließung betroffenen Mitarbeitern handele es sich um Niedrigverdiener, denen ein Pendeln nach Hamburg nicht zuzumuten sei. Ein immer noch wesentlich in öffentlichem Besitz befindliches Unternehmen, dessen Hauptaktionär die Bundesrepublik sei, könne das politisch erklärte Ziel nicht einfach ignorieren, insbesondere strukturschwache Regionen zu fördern. „Wir werden diesen Kahlschlag nicht widerstandslos hinnehmen und bei der Telekom protestieren“, so Friedersdorff. Auf Vorschlag der SPD habe er deshalb alle Stadtfraktionen für Montag in den Hauptausschuss einberufen. „An dem Protest wollen wir auch Gewerkschaften, Kammern und Verbände beteiligen“, so der amtierende Verwaltungschef.

Der Kandidat der SPD für die Schweriner OB-Wahl am 14. September, Gottfried Timm, erklärte: „Wenn Standorte zusammengelegt werden müssten, sollte dies in umgekehrter Richtung von West nach Ost geschehen.“ Hamburger Beschäftigte könnten auch nach Schwerin pendeln. Er werde mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) über die Telekom-Pläne sprechen, so Timm.

Der CDU-Kandidat für die OB-Wahl, Hans-Peter Kruse, hatte seine Konkurrenten bereits am Mittwoch zu einer konzertierten Aktion aufgerufen (SVZ berichtete). Alle Bewerber sollten in einem gemeinsamen Brief an die Telekom für den Erhalt des Standortes Schwerin werben. Ein Vorschlag, dem die OB-Kandidatin der Linken zustimmt: „Ich unterstütze alle Initiativen, die helfen, diese für Schwerin wichtigen Arbeitsplätze zu erhalten.“

Hohe Wellen schlug die Telekom-Entscheidung auch auf Landesebene: „Ich erwarte, dass der Bund sich seiner Verantwortung bewusst wird und eingreift“, erklärte der CDU-Landtagsfraktionschef und frühere Schweriner Stadtpräsident Dr. Armin Jäger. Sollte die Telekom von ihren Plänen nicht abrücken, müsse das Land darüber nachdenken, „die wirtschaftlichen Kontakte zu diesem Unternehmen zu überdenken“.

Die Beschäftigten des Telekom-Callcenters in der Grevesmühlener Straße wollen heute um 8 Uhr werden protestieren.

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