Taxi! - Schulschließung erweist sich als teures Zuschussgeschäft

Diese Kinder der Regionalen Schule mit Grundschule Lützow werden nach Unterrichtsschluss statt mit dem Bus mit dem Taxi nach Hause gebracht. Foto: Antje Bernstein
Diese Kinder der Regionalen Schule mit Grundschule Lützow werden nach Unterrichtsschluss statt mit dem Bus mit dem Taxi nach Hause gebracht. Foto: Antje Bernstein

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08. September 2008, 06:51 Uhr

Lützow / Brüsewitz - Ein umstrittenes Schulgesetz treibt immer skurrilere Blüten. Jetzt werden auch schon Schüler im Taxi auf Kosten des Steuerzahlers nach Hause gefahren. Dafür muss der Landkreis Nordwestmecklenburg nach Informationen unserer Zeitung mehrere tausend Euro pro Schuljahr ausgeben.

Statt Busfahren heißt es für fünf Schüler der Regionalen Schule mit Grundschule Lützow nach Schulschluss: Taxi bitte! Hintergrund ist die einst vom Land durchgedrückte Schließung des Realschulstandortes Brüsewitz. Dessen Schüler werden nun in Lützow unterrichtet. Fünf von ihnen steigen nach Unterrichtsende an der Bushaltestelle statt in den Schulbus in ein Taxi, um in ihre Heimatdörfer zu gelangen.

Die Auftragsvergabe an ein Taxiunternehmen kommt dem Kreis nach eigenen Angaben immer noch billiger, als einen Bus in die Heimatdörfer der fünf Schüler fahren zu lassen.

Eltern wollen erneuten Schulstreit vermeiden
Was Eltern am meisten ärgert: Nachdem „das Kulturministerium einst wunderbare Überzeugungsarbeit geleistet und auch auf die finanzpolitische Lage des Landes hingewiesen hat“, dürfte sich die neue Schulstruktur als kostspieliges Zuschussgeschäft erweisen. Auf eine Sache legen Eltern aber besonderen Wert: Einen erneuten Schulstreit wollen sie nicht aufflammen lassen, denn ihre Kinder würden sich inzwischen wohl fühlen in der Lützower Schule.

In den vergangenen Jahren hatte es landesweit dutzende Schulschließungen gegeben. Allein in Nordwestmecklenburg sank die Zahl der Schulen von 63 auf 47. Es gab weniger Kinder, aber auch strittige Landesvorgaben, die der Kreis umsetzen musste.

Mit der Bildungspolitik in diesem Land war Landrat Erhard Bräunig a. D. zweieinhalb Monate vor Ende seiner Amtszeit hart ins Gericht gegangen. Er bezeichnete Schulschließungs-Programme als eine völlig verfehlte Politik und forderte das Land auf, Geld umzuschichten.

Apropos Geld – der Landkreis Nordwestmecklenburg gibt in diesem Jahr 4,5 Millionen Euro für Schulbusse aus und von Januar dürfte es noch teurer werden. Denn die Kreisverwaltung geht aufgrund der hohen Dieselkosten von einer Preissteigerung aus.

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