zur Navigation springen

Landwirt plant Anlage mit fast 40.000 Legehennen : Tauziehen in Loiz um Hühnerfarm

vom

Mitten aus einem Weizenschlag unweit der B 104 zwischen Witzin und Loiz ragen weiße Stöcke heraus. Sei stehen als äußeres Zeichen für ein umstrittenes Bauprojekt: eine Legehennenfarm für 39.990 Tiere in Freihaltung.

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2012 | 11:05 Uhr

Loiz | Mitten aus einem Weizenschlag unweit der B 104 zwischen Witzin und Loiz ragen weiße Stöcke heraus. Sei stehen als erstes äußeres Zeichen für ein im Ort umstrittenes Bauprojekt: eine Legehennenfarm für 39 990 Tiere in Freihaltung. Für sie sollen zwei 90 mal 25 Meter große Ställe gebaut werden mit einer Auslauffläche von 16 Hektar. Der Loizer Landwirt Torsten Redmann will hier bauen. Eine Bürgerinitiative (BI) will das verhindern.

"Der wichtigste Grund ist, dass wir uns ein zweites Standbein schaffen wollen", erklärte Redmann. Seit 20 Jahren betreibt die Familie Ackerbau. Der Landwirt spricht von den Risiken: durch das Wetter, durch die Politik und auch dadurch, dass landwirtschaftliche Produkte zum Spielball an der Börse geworden sind. "Wir haben lange überlegt: Wo bekommen wir noch einen Fuß in die Tür?", so der Loizer. Gelungen sei es bei Legehennen. Für die Eier gibt es große Abnehmer. Damit sei man auch nicht mehr von den Düngelmittelpreisen abhängig. Denn der Trockenkot der Hühner soll als Dung auf den Redmannschen Feldern zum Einsatz kommen.

Anfang des Jahres hatte der Landwirt seine Nachbarn in Loiz über sein Legehennenprojekt informiert, für das derzeit der Bauantrag vorbereitet wird. Seitdem formt sich der Widerstand. Bis auf zwei Familien in Loiz haben alle Anwohner eine Unterschriftensammlung gegen die Hennenfarm unterstützt. Jetzt hat die "Bürgerinitiative für eine gesunde Zukunft im Naturpark Sternberger Seenland", die weiter im Gespräch mit dem Investor ist, ihr Wirkungsfeld auf Witzin ausgedehnt. "Sie sind auch betroffen", steht auf Flyern, die an die Haushalte verteilt wurden. Die Hauptwindrichtung von der geplanten Farm führe Richtung Witzin. Unterschriftenlisten liegen aus. Die Bürgerinitiative will sowohl über das Projekt als auch über Risiken aufklären. Bei der Errichtung einer Anlage mit weniger als 40 000 Hennen gilt ein vereinfachtes Bauverfahren, bei dem die Bürger nicht angehört werden, erklären BI-Mitglieder.

"Wir erwarten, dass sich die Gemeindevertreter intensiv damit auseinander setzen", sagt Lydia Steuber von der Bürgerinitiative. Denn im Genehmigungsverfahren ist das sogenannte gemeindliche Einvernehmen gefragt. Lydia Steu ber ist übrigens genau wie Torsten Redmann Mitglied im Dorfparlament und leitet sogar den Bauausschuss der Gemeinde.

BI-Mitglieder sind mittlerweile durch das Land gefahren, haben sich andere Orte mit Legehennenfarmen angeschaut, dort mit Bürgermeistern und Gemeindevertretern gesprochen. Der Loizer Kai Wolf sagt zum Vorhaben in seinem Dorf: "Das passt nicht auf die grüne Wiese im Naturpark Sternberger Seenland." Man sei nicht generell gegen Viehwirtschaft, erklärt Lydia Steuber. Aber nicht in dieser Größenordnung. "Wenn einmal eine Stallanlage steht, ist für die Erweiterung der Grundstein gelegt", weiß Steuber aus einem Dorf bei Röbel. Landwirt Redmann sagt: "Wir wollen diese eine Anlage bauen."

In dem in der Gemeinde verteilten Flyer stellt die Bürgerinitiative Ergebnisse ihrer Recherchen vor: Intensive Tierhaltungsanlagen bergen große ökologische Gefahren für Natur und Mensch. Die Luft werde sich verändern, Keime, Pilze und Viren sich ausbreiten, wird in dem Flyer beschrieben. Die Gegner der Anlage sind in Sorge, dass ihre Grundstücke durch die benachbarte Massentierhaltung bis zu 40 Prozent an Wert verlieren. Sie sehen die Gefahr, dass Rückstände aus Futtermitteln, Bodenstreu, Antibiotika und Tierkadaver in den Boden gelangen und die massive Kotbelastung im Stallbereich zu einem hohen Stickstoffeintrag führe. Auch um die Geruchsbelastung und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen machen sich die Anwohner Sorgen.

In der Bauphase sei mit stärkerem Verkehr zu rechnen, so Torsten Redmann. Wenn die Eierproduktion läuft, würden drei Laster pro Woche zur Anlage unterwegs sein. Der Investor sagt, dass die Stallluft gefiltert wird, und verweist drauf, dass es schon viele solcher Anlagen in Deutschland gibt. Für alles gebe es gesetzliche Vorschriften, auch für Abstände, Zu- und Abluft. "Das wird alles geprüft", so Redmann. "Wenn wir alles einhalten, werden wir bauen, weil wir die Notwendigkeit als Familienbetrieb sehen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen