Tauwetter im Schneeparadies - Snow Funpark Wittenburg meldet Insolvenz an

Pleite: der Snow Funpark Wittenburg.  Gestern wurde das Schneeparadies schon mal abgeriegelt.Hans-Dieter Hentschel
Pleite: der Snow Funpark Wittenburg. Gestern wurde das Schneeparadies schon mal abgeriegelt.Hans-Dieter Hentschel

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15. Juli 2008, 01:08 Uhr

Schwerin/Wittenburg - Am Ende schützen auch die wochenlangen Dementis nicht vor dem Zusammenbruch: Immer wieder hatte der Hamburger Hallen-Investor Hans-Gerd Hanel bestritten, weder die Skihalle noch andere seiner Firmen stünden vor der Insolvenz.

Auch als der Park ab Mitte April für zwei Tage in der Woche den Skilift abschaltete, die Halle wegen Auslastungsproblemen geschlossen hielt und 50 vorwiegend Teilzeitkräfte entlassen hatte, wollte Hanel von einer Krise nichts wissen. Jetzt setzt im künstlichen Winterwunderland Tauwetter ein. Die Betreiber werden von der Kostenlawine erdrückt.

Nach dem Insolvenzantrag für die Holding Hanels hat nun auch in Wittenburg der Insolvenzverwalter das Sagen. Ein entsprechender Antrag sei gestellt worden, erklärte Peter Winterstein, Direktor des Schweriner Amtsgerichtes, gestern. Mit der vorläufigen Verwaltung sei die Hamburger Anwaltskanzlei White & Case beauftragt worden.

Hauptaufgabe sei es jetzt, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, erklärte Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde gestern. Für eine Bewertung sei es noch zu früh. Man hoffe auf eine Fortführung. „Jetzt müssen aber erst die Hausaufgaben gemacht werden“, sagte Schmudde. Auf jeden Fall solle am Mittwoch die Skihalle planmäßig wieder eröffnet werden.

Zusammenbruch trotz massiver Finanzhilfe
Dabei war die Schneewelt auf 65 Meter hohen Stahlstelzen im norddeutschen Flachland von Anfang an umstritten. Experten hatten an einem wirtschaftlichen Betrieb allein deshalb gezweifelt, weil sich die nur 100 Kilometer voneinander entfernt liegenden Skihallen Wittenburg und Bispingen gegenseitig die Besucher wegnahmen. Er habe stets Zweifel gehabt, dass sich eine, geschweige denn zwei Ski-Anlagen halten würden, meinte Henning Rohlf vom Verband Hamburger Skivereine. „Ski gehört in die Berge.“

Die Bedenken hatten Hanel und seine österreichischen Geldgeber trotzdem zur Seite geschoben und mit dem Bau des 75 Millionen Euro teuren Snow Funparks begonnen. Mit 730 000 Besuchern hatte Hanel kalkuliert. Gekommen waren im vergangenen Jahr 638 400. Nur jeder zweite ging auf die Piste.

Vor dem Zusammenbruch konnten selbst die massiven Finanzspritzen des Steuerzahlers nicht retten. Die millionenschwere Förderung für den Snow Funpark beschäftigen inzwischen auch den Landesrechnungshof und das Landesparlament.

Ob Wittenburg, CD-Werk Dassow oder Zukunftspark Nieklitz: In diesen Fällen seien „politisch motivierte Förderungen“ gewährt worden, kritisierte FDP-Fraktionschef Michael Roolf gestern die Förderpraxis des Landes.

FDP: Breites Spektrum politisch motivierter Förderung
Das seien keine „Einzelfälle“, sondern das betreffe ein „breites Spektrum“. Erst vor kurzem hatten die Liberalen die Landesregierung bezichtigt, das zugunsten einer maximalen Zuschusshöhe „Kriterien herangezogen wurden, die durch die eigenen Förderrichtlinien des Landes nicht gedeckt sind“.

In der Kritik: vor allem der Ex-Wirtschafts- und jetzige Bauminister Otto Ebnet (SPD), der die übliche Förderung kurzerhand um weitere Punkte aufgestockt haben soll. Doch die genauen Hintergründe werden wohl weiter verborgen bleiben. Am Donnerstag wollen die Liberalen zwar einen Entschließungsantrag zur Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses in den Landtag einbringen. Mehrheiten dafür werden sie aber kaum erhalten.

„Der hohe Wille der Aufklärung ist nicht da“, weiß auch Roolf. Und auch beim Landesrechnungshof hält man sich noch zurück. Ursprünglich war für Juni mit einem Prüfbericht zur Fördermittelvergabe in Wittenburg gerechnet worden. Doch: „Auf Bitten der geprüften Behörde und im gegenseitigen Einvernehmen wurde das Abschlussgespräch auf die zweite Juli-Woche verschoben“, teilten die Prüfer in einer Pressemitteilung mit.

Dem Tauwetter könnte in Wittenburg indes Neuschnee folgen. Mitte Juni hatte der holländische Touristiker Van der Valk ein Übernahmeangebot für den Snow Funpark vorgelegt – eine letzte Chance.

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