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Mit Bau der Marienplatz-Galerie verloren Tauben großes Rückzugsgebiet : Tauben kehren Schwerin den Rücken

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Wild flattern und laut gurren zahlreiche Tauben auf dem Balkon einer leer stehenden Schweriner Wohnung. Die benachbarten Mieter sind genervt, vom Lärm und vom Dreck. Vogelkot klebt auf Fensterbänken.

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erstellt am 15.Jul.2011 | 11:05 Uhr

Wild flattern und laut gurren zahlreiche Tauben auf dem Balkon einer leer stehenden Schweriner Wohnung. Die benachbarten Mieter sind genervt, vom Lärm und vom Dreck. Vogelkot klebt auf Fensterbänken und umliegenden Balkonen. Die Bewohner schlagen in der Stadtverwaltung Alarm. Der Ruf erreicht die Schweriner Amtsärztin Renate Kubbutat. "Wir haben ein bis zwei solcher Fälle im Jahr", sagt sie. Taubeninvasionen seien in Schwerin kaum noch ein Thema und seit die Marienplatz-Galerie errichtet wurde, sei einer der letzten großen Rückzugsorte für Tauben aus dem Stadtgebiet verschwunden.

Die verwilderte Haustaube gilt als tierischer Schädling, der wie Haus- und Wanderratte Parasiten und Krankheiten überträgt. In ihrem Gefieder tragen die Vögel häufig Taubenzecken, die beim Menschen schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. "Die Atemwege können wie bei der Wespenallergie so stark zu schwellen, dass der Betroffene keine Luft mehr bekommt", sagt die Amtsärztin. Die Parasiten können demnach jahrelang in einer Art Starre überleben und werden erst durch die Anwesenheit eines vermeintlichen Wirts wieder aktiviert. Ehemalige Taubenkolonien auf alten Dachböden und in leerstehenden Häusern sind meist betroffen. "Tote Tauben nicht anfassen", so Renate Kubbutat. Wie viele der grauen Vögel in Schwerin leben, "ist kaum zählbar", sagt sie. "Sie finden dort im Winter warme Schlafdomizile und ein reiches Nahrungsangebot." Genauso wie die Haus- und Wanderratten.

Die Nager fühlen sich laut Amtsärztin vor allem in der Kanalisation wohl. In den Abwasserkanälen schwimmt ein breites Nahrungsangebot an den Tieren vorbei, das besteht aus den Essensabfällen, die Schweriner in ihren Toiletten entsorgen. "Aber eine Plage haben wir in Schwerin nicht", sagt Renate Kubbutat. Übrigens zählen nicht alle Ratten zu den Schädlingen. Wasserratten dürfen beispielsweise in Böschungen und an Gewässern wohnen. Einige dieser Exemplare fühlen sich in der Stadt der sieben Seen auch sehr wohl. "Diese Tiere werden aber kaum in Häusern oder Geschäften zu finden sein", sagt die Expertin. Das schlechte Image der Säugetiere ist längst veraltet. In den vergangenen Jahrhunderten übertrugen die Nager mit dem Pestfloh die hochgradig ansteckende und lebengefährliche Infektionskrankheit. "Aber die spielt heutzutage keine Rolle mehr", so Renate Kubbutat. Damit sich Tauben und Ratten dennoch nicht zu wohl in Schwerin fühlen, appelliert die Amtsärztin an die Eigenverantwortung der Bürger. Zwar kann das Gesundheitsamt die Vermieter beraten, was gegen Tauben und Ratten unternommen werden kann. Aber die Landeshauptstadt darf nicht in Gebäude eindringen, die ihr nicht gehören. "Wir haben aber Möglichkeiten, bei Beschwerden auf die Hausbesitzer Druck auszuüben", so Renate Kubbutat. Wie im Fall der Taubenkolonie auf dem Balkon. Mit Taubennetzen können die Tiere beispielsweise langfristig vergrämt werden.

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