Tatort Tankstelle: Täter hoffen auf schnelles Geld

Tankstelle Kritzow an der A 20
1 von 3
Tankstelle Kritzow an der A 20

von
26. April 2010, 06:51 Uhr

Schwerin | Tankstellen im Visier von Kriminellen: In den vergangenen sechs Monaten rückte die Polizei zu sieben Einsätzen aus. Allein drei Überfälle verzeichnete sie am vergangenen Wochenende. Die Tatorte: Fuchsberg-Süd, Kritzow und Upahl - alles Tankstellen an der A 20.

In der Aral-Tankstelle Fuchsberg-Süd östlich von Wismar haben zwei Angestellte in der Nacht zu gestern Schicht. Um 2.25 Uhr betritt ein junger maskierter Mann den Raum, der Mitarbeiter schaut auf - direkt in die Mündung eines "pistolenähnlichen Gegenstands", heißt es später. Der Mann mit den langen blonden Haaren und den blauen Augen droht mit der Waffe und fordert Bargeld. Doch er hat Pech. Die Einnahmen sind erst kurz zuvor abgeholt worden. Das erklärt er auch dem maskierten Täter, zeigt ihm die leere Kasse. Ohne Beute verlässt der junge Mann, der auf 25 Jahre geschätzt wird, die Tankstelle und steigt in sein Auto.

Nur eine halbe Stunde später, rund 20 Kilometer entfernt, versucht er es vermutlich erneut. Sein Tatort ist die Hem-Tankstellen in Kritzow in Höhe Wismar. Hier ist er erfolgreich, erbeutet mehr als 1000 Euro. Die Polizei vermutet, dass es ein und derselbe Täter war. "Es passt zeitlich und örtlich zusammen", begründet Niels Borgmann, Sprecher der Polizeidirektion Schwerin. Das Muster der Überfälle ist immer ähnlich. Die oder der Täter nutzen meist die Stunde der Nacht, dann wenn sie möglichst wenig Aufmerksamkeit erregen.

So auch beim Überfall in Upahl, westlich von Wismar und ebenfalls an der A 20 gelegen. In der Nacht zu Sonntag betreten zwei vermummte Männer den Verkaufsraum, einer von ihnen bedrohte die Kassierin mit einer Waffe. Mit mehreren hundert Euro flüchteten sie. Die Liste mit Überfällen lässt sich fortsetzen: 24. März 2010 Sternberg, 22. November 2009 Fahrbinde, 7. November Neukloster, 2. November Holzendorf. "Tankstellenüberfälle hat es immer gegeben", sagt Niels Borgmann. Er sieht vor allem in der Möglichkeit, schnell an Bargeld zu gelangen, eine Verlockung für Täter.

Dass vor allem Tankstellen in Nordwestmecklenburg betroffen sind, liege an der günstigen Lage, sagt Olaf Seidlitz. Der Sprecher des Landeskriminalamtes verweist auf die schnelle Fluchtmöglichkeit per Autobahn. "Die Täter suchen ihre Tatorte nach bestimmten Kriterien aus." Klar ist für ihn auch: Wer einen solchen Raubüberfall plant, steht nicht am Anfang seiner kriminellen Karriere. Er rät deshalb zu Sicherheitsvorkehrungen wie Kameras, Nachtschalter und Alarmknöpfe.

Von Januar bis März 2010 erfasste das LKA drei Fälle, die an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden. LKA-Sprecher Seidlitz spricht von einer Aufklärungsquote von 63 Prozent. Auffällig ist die Häufung der Raubüberfälle im vergangenen halben Jahr. Bei der Verurteilung wegen schwerer räuberischer Erpressung drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen