Landkreis Rostock : Tarnow will mit Wind Geld verdienen

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Neue Windkraftanlagen sollen in den nächsten Jahren in der Region Bützow in den Himmel schießen. Ein erster Schritt ist eine Ergänzung des Regionalen Programms "Mittleres Mecklenburg".

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04. Mai 2013, 11:53 Uhr

Neue Windkraftanlagen sollen in den nächsten Jahren auch in der Region Bützow in den Himmel schießen. Ein erster Schritt dazu ist eine Ergänzung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms "Mittleres Mecklenburg". Der Entwurf des Kapitels "Energie" wird gegenwärtig in den Gemeinden des Landkreises Rostock diskutiert.

Auch Tarnow ist unmittelbar betroffen. Doch nachdem vor über einem Jahrzehnt Windkraftanlagen errichtet wurden, die so keiner haben wollte, will die Gemeinde von der Energiewende in Deutschland nun selbst profitieren, mit Wind Geld verdienen.

Hintergrund: 16 neue so genannte Eignungsgebiete für die erneuerbare Energie aus Wind weist das erweiterte Raumentwicklungsprogramm aus. Drei davon in der Region Bützow: eins bei Klein Belitz in Richtung Schwaan, eins bei Wokrent und ein drittes bei Tarnow. Dort sind Flächen von 60, 100 bzw. 90 Hektar für Windkraftanlagen vorgesehen.

Der Eignungsraum mit der Nummer 122 - Tarnow Ost - unterliegt dabei einer besonderen Bestimmung. Dort sollen Prototypen von neuen Generationen von Windkraftanlagen getestet werden. Wer dort also Windräder errichtet, darf diese nur für fünf Jahre dort stehen lassen. So sieht es der Planungsentwurf vor.

Doch Tarnow möchte diese Einschränkung nicht hinnehmen. "Wir wollen keine zeitliche Beschränkung solcher Anlagen", sagt Tarnows Bürgermeister Ingo Sander. Das mache keinen Sinn. In der Gemeinde gab es vor über einem Jahrzehnt noch manchen Protest, als in Richtung B 104 (Güstrow-Sternberg) Windkraftanlagen errichtet wurden. "Wir wissen, wir können den Bau solcher Anlagen ohnehin nicht verhindern", erklärt Sander. Vor allem seit- dem Deutschland sich zur Energiewende bekannt hat. Also wollen die Tar nower den Spieß umdrehen, von den Plänen des Planungsverbandes selbst profitieren. "Wir als Gemeinde, aber auch jeder Einwohner, der es möchte, soll sich an dem Bau solcher Windkraftanlagen beteiligen können", erklärt der Tarnower Bürgermeister die Zukunftspläne. War vor allem die kommunale Beteiligung an solchen zumeist privaten Investitionen bisher nicht möglich, soll genau das künftig möglich sein. Auch im neuen Planungsentwurf des Regionalen Raumentwicklungsprogramms ist genau das festgeschrieben. Das soll aber nicht für Testgebiete gelten. Und genau deshalb strebt Tarnow eine Änderung des Entwurfes in diesem Punkt an. Tarnow-Ost soll ein ganz normales Eignungsgebiet werden.

Unterstützung erhält die Gemeinde dabei von den Nachbarn. Bereits die Mitglieder des Hauptausschusses der Stadtvertretung gaben Tarnow Rückendeckung. "Tarnow will daraus ein Pilotprojekt Bürgerbeteiligung entwickeln", informierte Bürgermeister Sebastian Constien. Die Stadtvertreter geben ihre Stellungnahme zum Kapitel "Energie" des Raumentwicklungsprogramms am kommenden Montag, 6. Mai, ab. Die Rühner Gemeindevertreter haben bereits am Donnerstagabend ihr Votum abgegeben."Wir unterstützen das Vorhaben von Tarnow und damit die Forderung, das Gebiet für eine längere Nutzung zuzulassen", so Bürgermeister Hans-Georg Harloff.

Wie man aus der erneuerbaren Energie Kapital schlagen kann, hat Baumgarten vorgemacht. Die Gemeinde investierte vor einigen Jahren in Photovoltaikanlagen auf den Feuerwehrgerätehäusern in Qualitz und Baumgarten. "In Qualitz kommen wir jährlich auf einen Erlös von 3500 bis 4000 und in Baumgarten auf 5000 bis 6000 Euro", so Bürgermeisterin Astrid Peters. "Die Investitionen sind so schnell amortisiert." Für die beiden Häuser schreibt die Gemeinde keine Verluste mehr. Man können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, sagt Peters. Also müsse man es für sich mit nutzen.

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