Talfahrt stoppen

Die beiden Holländer Bob van den Nieuwenhuyzen (24) und  der 33-Jährige Rob Vogelaar (re.) leiten die Geschäfte des Alpincenter Hamburg-Wittenburg. „Wir arbeiten dort, wo   wir gebraucht werden“, sagt Bob. „Auch mal hinter dem Tresen beim Skiverleih.“ Fotos: Katharina Hennes
Die beiden Holländer Bob van den Nieuwenhuyzen (24) und der 33-Jährige Rob Vogelaar (re.) leiten die Geschäfte des Alpincenter Hamburg-Wittenburg. „Wir arbeiten dort, wo wir gebraucht werden“, sagt Bob. „Auch mal hinter dem Tresen beim Skiverleih.“ Fotos: Katharina Hennes

Neuer Name, neue Führung, neue Preise. Das Alpincenter Hamburg-Wittenburg will mit „All-Inclusive-Angeboten“ mehr Gäste gewinnen und die Talfahrt des ehemaligen Snowfunparks beenden. Heute und morgen ist Tag der offenen Tür: Der neue Mieter Van der Valk halbiert dafür die bereits gesenkten Preise.

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07. November 2008, 08:07 Uhr

Wittenburg - Das Handy klingelt. Während des Meetings, beim Frühstück an der Bar, im Treppenhaus, auf dem Weg ins Büro. Es lässt Rob Vogelaar keine Ruhe. Der 33-jährige Holländer muss Presseanfragen beantworten, Termine für Marketingrunden festlegen, Buchungswünsche weiterleiten. Eine Übernachtung an diesem Wochenende? Fehlanzeige. „Wir sind restlos ausgebucht“, sagt sein Geschäftspartner Bob van den Nieuwenhuyzen. Heute und morgen halbiert das Alpincenter seine Preise. „Wir stellen uns vor, bieten Führungen durch das Haus und viele Überraschungen“, sagt Bob van den Nieuwenhuyzen, der sich mit Vogelvaar die Geschäftsleitung teilt. Er rechnet mit „vielen vielen Besuchern“.

Noch ist es ruhig im Alpincenter.
Donnerstagmittag. Zwei Kinder schlittern auf dem Reifen über Schneehügel. Im Lift sind zwei Gondeln besetzt, auf der Piste verteilen sich gut zwanzig Skifahrer. Die Verkaufsräume sind leer, die Tische im Café unbesetzt. Bob van den Nieuwenhuyzen hebt die Arme und sieht sich um. „Hier könnten am Tag 600 Menschen sein“, sagt er. „Die Bedingungen sind optimal. Für jeden wird etwas geboten. Ob draußen oder drinnen. Zudem ist alles hochwertig verarbeitet.“ Ganz anders als in der viel älteren Bottroper Skihalle. Die hatte die holländische Touristikgruppe vor vier Jahren übernommen. „Damals war Bottrop in ähnlicher finanzieller Schieflage wie Wittenburg“, sagt van den Nieuwenhuyzen. „Heute stehen wir dort gut da und haben 400 000 Besucher im Jahr.“ Die Hälfte davon kommt aus den benachbarten Niederlanden.

In Wittenburg setzt das holländische Unternehmen auf Besucher aus Mecklenburg. „Bisher hat man hier Imagebildung betrieben“, sagt Bob van den Nieuwenhuyzen. „Jetzt geht es darum ein Produkt gezielt zu verkaufen.“ All-Inclusive-Pakete zum Beispiel. Seit Ende Oktober zahlen die Besucher im Wittenburger Alpincenter unter dem Strich etwa noch die Hälfte der bisherigen Preise. Für einen Pauschalpreis von 29 Euro kann ein Erwachsener zum Beispiel in der Woche den ganzen Tag über mit ausgeliehener Ausrüstung Ski fahren, am Büfett essen und trinken. „Die Halle steht in Mecklenburg, also sollen sie auch die Mecklenburger nutzen. Die Hauptsache ist jetzt, dass wir die Leute für diese wunderschöne Halle begeistern.“

Halfpipe wird zugeschüttet
Investieren wird Van der Valk vorerst nicht. „Wir übernehmen aber dafür einige Attraktionen aus Wittenburg in Bottrop“, sagt van den Nieuwenhuyzen. „So steckt das Unternehmen fünf Millionen in den Außenbereich, baut unter anderem eine Rodelbahn, einen Bike-Park und einen Hochseilgarten. In Wittenburg wird zurzeit die Piste in der Halle umgebaut. „Wir schütten die Halfpipe zu und gestalten darauf einen Funpark mit kleinen Sprungschanzen und Rutschboxen. „Damit kann diese Pistenhälfte wieder von mehr Skifahrern genutzt werden.“ Die ursprüngliche Halfpipe werde nach der Saison nach FIS Norm wieder präpariert, damit auch Snowboard-Profis hier weiter trainieren könnten.

Bob van den Nieuwenhuyzen ist optimistisch. Der 24-jährige Neffe des Geschäftsführers Vincent van der Valk war bisher in Dubai und im Van der Valk Hotel Moers eingesetzt. „Die Skihalle ist auch für mich Neuland“, sagt er. „Aber die Stimmung ist gut, das Team motiviert. Jeder bringe sich mit Ideen ein, die wir jetzt Stück für Stück umsetzen.“ Rob Vogelvaar, der das Van der Valk-Hotel in Spornitz etablierte, verbringt jetzt vier Wochentage in Wittenburg.

Gleich nach Übernahme ist er mit einer holländischen Reisegruppe seines Hotels nach Wittenburg gefahren. „Die waren schier begeistert und werden es anderen berichten.“ Weitersagen sei die beste Werbung. „So funktioniert es bei uns seit 70 Jahren.“

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