Tafeln darben in Urlaubszeit

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Der Urlauberansturm hat eine soziale Kehrseite. Tafeln und Suppenküchen für Bedürftige klagen über stark rückläufige Lebensmittelspenden von Supermärkten und Läden. In den Touristenhochburgen Vorpommerns wie Stralsund oder Rügen würden Wurst-, Fleisch- und Molkereiprodukte bereits zu Raritäten in den Ausgabestellen für sozial Schwache.

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03. August 2008, 04:44 Uhr

Stralsund/Wolgast/Schwerin - „Die Urlauber und Tagesgäste kaufen so gut ein, dass die Läden weniger abgeben können“, sagt Waltraud Marzahl von der Stralsunder Tafel des Deutschen Roten Kreuzes.. Bei Obst und Gemüse gebe es hingegen keinerlei Engpässe, weil viele Kleingärtner der Region ihre Überproduktion im Sommer gern an die Tafeln abgeben würden. Auch in Wolgast freuen sich die ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter über reichlich Tomaten, Gurken, Zucchini und Äpfel aus den Schrebergärten. „Obst und Gemüse ist dennoch kein Ersatz für Milch und Butter“, räumt Willi Grabow, Ländervertreter der Tafeln für MV, ein.

60 000 Menschen nutzen AbgabestellenIm Nordosten arbeiten insgesamt 27 Tafeln, davon drei speziell für Kinder, und 35 weitere Ausgabestellen. Die Zahl derjenigen, die sich dort für einen geringen Obolus ein- bis zweimal die Woche mit Nahrungsmitteln versorgen, habe sich in den vergangenen fünf Jahren auf rund 60 000 Menschen im Land verdoppelt.

Zugleich sei ein genereller Rückgang von Spenden der Lebensmittelketten zu beobachten, weil diese aufgrund gestiegener Energie- und Rohstoffpreise genauer kalkulierten und weniger Waren kurz vor dem Verfallsdatum abzugeben hätten. In der Urlaubszeit spitze sich die Situation noch zu. „Da werden Regale regelrecht leergekauft“, sagte Grabow.

Die zumeist ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter oder Ein-Euro-Jobber holen die Spenden von den Märkten ab. Nur zehn Tafeln verfügten über ein Kühlfahrzeug, nennt Grabow ein weiteres Manko. Bad Sülze besitze zwar einen Kühlhänger, müsse jedoch bis nach Bayern fahren, um vor allem genug Milcherzeugnisse heranzuschaffen, sagte Mitarbeiterin Ilona Bartz. An fünf festen Ausgabestellen, bei Touren über die Dörfer sowie im Frauenhaus Ribnitz würden 4000 sozial Schwache wöchentlich versorgt.

Ebenso viele Bedürftige zählt die Pasewalker Tafel im Uecker- Randow-Kreis, dem ärmsten Kreis Deutschlands, jede Woche an ihren sieben Ausgabestellen, sagte Gerda Striecker, Kreisvorsitzende des Arbeitslosenverbandes. Lobend erwähnte sie vor allem örtliche Bäckereien. „Die versorgen uns wirklich gut.“

Kleine Geschäfte kalkulieren enger
Die Kleinstadt Barth könnte ohne Spenden des Hamburger Großzentrallagers der Tafeln ihre Essensausgabe für Bedürftige bald schließen, äußerte Mitarbeiterin Ursula Jeß. Von ortsansässigen Lebensmittelmärkten komme fast keine Unterstützung mehr, während zugleich die Zahl der Bedürftigen seit fünf Jahren von 70 auf 400 gestiegen sei. „Die Geschäfte kalkulieren knapper, so bleibt eben weniger übrig“, zeigte die Tafelchefin Verständnis.

„Wir versuchen, uns gegenseitig zu helfen“, sagte Ländervertreter Grabow. Keine Lieferengpässe verzeichnen die Tafeln Schwerin, Hagenow, Ludwigslust, Gadebusch und Crivitz. Mehrere Großlieferanten wie der Handelshof oder das Edeka-Fleischwerk Valluhn würden ebenso kontinuierlich liefern wie die Gärtner der Region.

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