Kinderpornoprozess : Täter bekommen mehrjährige Haftstrafen

Foto: Jochen Luebke/ddp
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In einem der bundesweit größten Kinderporno-Prozesse sind am Donnerstag sieben Männer zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und fünf Jahren verurteilt worden, darunter ein 33-Jähriger aus Schwerin.

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25. November 2010, 08:19 Uhr

Darmstadt/Schwerin | In einem der bundesweit größten Kinderporno-Prozesse sind gestern vor dem Landgericht Darmstadt sieben Männer zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und fünf Jahren verurteilt worden, darunter ein 33-Jähriger aus Schwerin.

Die Männer hatten nach Auffassung des Gerichts in "bandenmäßigen Strukturen" von 2006 bis 2009 rund 100 000 Dateien mit kinderpornografischem Material aus dem Internet heruntergeladen und getauscht. Das Gericht sprach von "hartem Stoff", unter anderem seien Fotos von schwer sexuell missbrauchten Säuglingen gezeigt worden. Einer der Verurteilten, ein 34-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen, hatte eingeräumt, selbst ein Kind neunmal sexuell missbraucht zu haben. Er bekam die höchste Strafe. Die meisten Bilder waren bei dem 33 Jahre alten Oberfeldwebel aus Schwerin gefunden worden. Er wurde zu drei Jahre und neun Monate Haft verurteilt. Ein Geophysiker aus Bremerhaven muss für dreieinhalb Jahre in Haft. Er galt in den Augen des Gerichts als technischer Kopf der Bande. Weiterhin verhängte das Gericht mehrjährige Haftstrafen gegen einen 47-Jährigen aus Lichtentanne (Sachsen), einen 58-Jährigen aus Bendorf in Rheinland-Pfalz und einen 49-Jährigen aus Löhne (Nordrhein-Westfalen). Ein 31-Jähriger aus Passau bekam eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung.

Strafmildernd wertete das Gericht für alle Männer, dass sie frühzeitig gestanden hatten. Im Prozess sei immer wieder geäußert worden, es seien "doch nur Bilder" gewesen, die sich die Angeklagten angesehen hätten. "Das zeigt jedoch ihre Einstellung von damals und möglicherweise noch von heute", sagte der Vorsitzende Richter Jens Aßling in der Urteilsbegründung. Keiner der Angeklagten habe sich Gedanken gemacht, was hinter den Bildern stecke. Vor allem Fotos von "Kindern aus Asien mit hellhäutigen Herren" seien gezeigt worden, auf denen zu sehen war, wie sich die Männer befriedigen ließen, erläuterte der Richter sichtlich erschüttert. Ein Mann habe sein eigenes Kind missbraucht, das Bild im Internet gezeigt und dafür von anderen Nutzern den Kommentar "Vater des Jahres" erhalten. Mit dem Herunterladen hätten die Angeklagten Nachfrage an den Bildern geschaffen. "Das sind eben nicht nur Bilder" , betonte der Richter.

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