Super-Energiekonzern geplant

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04. März 2008, 06:41 Uhr

Rostock/Schwerin - Zwei führende Energieunternehmen in MV planen einen Zusammenschluss: Die Rostocker Stadtwerke AG und die westmecklenburgische Wemag AG mit Sitz in Schwerin haben angekündigt, entsprechende Gespräche aufzunehmen. Mit konkreten Ergebnissen rechnen die Energieversorger im Spätsommer.

„Eine Fusion bietet echte Zukunftsperspektiven für die Unternehmen und ihre Anteilseigner im Hinblick auf eine dauerhafte Stärkung der Ertragskraft“, begründet Stadtwerke-Sprecher Thomas Schneider. Wenn es zu einem Zusammenschluss kommt, wird das Unternehmen mit großem Abstand Marktführer im Nordosten. Die Stadtwerke (595 Beschäftigte) versorgen Kunden in Rostock mit Strom, Gas und Fernwärme. Der Umsatz lag 2006 bei 204 Millionen Euro. Die Vattenfall-Tochter Wemag (469 Mitarbeiter) beliefert den westlichen Teil Mecklenburgs und die Prignitz mit Elektrizität. Der Umsatz lag Ende 2006 bei 330 Millionen Euro.

Keine Aussagen zu künftigen Strompreisen
Wie sich die geplante Fusion auf die Energiepreise auswirkt, darüber wollen weder die Stadtwerke Rostock noch die Wemag konkrete Aussagen treffen. Dazu befände sich die Diskussion noch in einem sehr frühen Stadion, heißt es aus Rostock und Schwerin. Verbraucherschützer gehen allerdings davon aus, dass ein bereinigter Markt zu weiteren Preisanstiegen führen könnte.

„Das bedeutet nichts gutes für die Kunden“, glaubt Horst-Ulrich Frank, Energieexperte der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Zumal die Stadtwerke sich dann an den höheren Strompreisen der Wemag orientieren könnten.
Mit Spannung wird auch die neue Rolle von Vattenfall Europe beobachtet. Denn mit einer Fusion könnte der Energieriese seinen Einfluss auf die Region weiter ausbauen. Mit 80,29 Prozent der Anteile hat der Konzern bei der Wemag eine beherrschende Position, in Rostock sind die Schweden mittlerweile mit 12,55 beteiligt. Experten gehen allerdings davon aus, dass eine Fusion aus kartellrechtlichen Gründen platzen könnte, wenn Vattenfall in dem neuen Unternehmen eine Gesamtbeteiligung von deutlich mehr als 50 Prozent anstreben sollte.

Unklar ist auch, wie die Aktien beider Unternehmen auf den zu gründenden Energieversorger umgelegt werden. Denn über eine Dachholding hält die Hansestadt Rostock 74,9 Prozent an den Stadtwerken, ein kommunaler Zweckverband ist mit knapp 20 Prozent an der Wemag beteiligt. Der Einfluss der Kommunen würde in einem überregionalen Konzern schwinden.

Für das hochverschuldete Rostock eröffnet die geplante Fusion allerdings neue Möglichkeiten. „Möglicherweise kann dadurch auch ohne den Verkauf von Aktien einen angemessenen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung erreicht werden“, hofft Oberbürgermeister Roland Methling auf Millionenbeträge.

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