Sturz-Gefahr für Senioren

Mit dem Rollator den Gang zur Bank zu erledigen, ist für den 87-jährigen Heinz Witt wegen der buckeligen Eiskruste momentan ein großes Problem. Georg Scharnweber
Mit dem Rollator den Gang zur Bank zu erledigen, ist für den 87-jährigen Heinz Witt wegen der buckeligen Eiskruste momentan ein großes Problem. Georg Scharnweber

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10. Februar 2010, 06:56 Uhr

Rostock | Viele Geh- und Radwege gleichen nach dem Frost-Tauwechsel des bisherigen Winters einem mit Schlaglöchern gespickten Eispanzer. Denn während große Bagger und Radlader für befahrbare Straßen sorgen, fallen sie in der Prioritätenliste hinten runter. Teilweise türmt sich auch noch der Schnee von den Straßen auf ihnen, in gepresster Form. Gerade ältere und körperlich beeinträchtigte Menschen kommen da in Schwierigkeiten.

"Das ist alles gar nicht so einfach", sagt Heinz Witt. Normalerweise geht der 87-Jährige gerne mit seinem Rol lator vom Jakobi-Stift in der Feldstraße zum Supermarkt um die Ecke, zur Bank oder holt sich die tägliche Zeitung zur Lektüre. "Ich gehör ja zu den Jüngsten bei uns", sagt er. Seine Nachbarn in dem Haus seien fast alle knapp unter 100 Jahre alt. Neben den Senioren haben aber auch Scooter- und Rollstuhlfahrer momentan Probleme, unbeschadet an ihr Ziel zu gelangen. Für sie stellt der verkrustete und dazu noch glatte Untergrund ein nahezu unüberwindliches Hindernis dar. Zum Teil scheitern sie schon an den Eiskanten, die die ungeräumten Abschnitte von den beräumten trennen.

Das sorgt bei Petra Kröger, der Behindertenbeauftragten der Stadt, für Hochbetrieb: "Ich bekomme ganz viele Anrufe, darunter nicht nur nette." In dringenden Fällen, gerade dort, wo die Zuständigkeit für die Beräumung nicht genau geklärt werden kann, nutzt sie ihren heißen Draht zum Umweltamt. "In der Regel treffe ich auf Verständnis", sagt sie. Die Mitarbeiter des Amts würden dann schnellstmöglich ausrücken und die Gefahrenstellen beheben.

Allerdings können auch sie nicht immer einspringen, wenn die Anwohnerpflichten vernachlässigt werden. "Die Situation ist nach wie vor nicht befriedigend", sagt Kröger. So seien beispielsweise die Straßenbahn-Haltestellen von Schnee und Eis geräumt, Zuwege und Ampeln allerdings nur selten. Wer nicht unbedingt raus müsse, lasse es lieber bleiben. Gerade den Senioren rät Kröger, alternative Wege für ihre Besorgungen zu suchen. Beispielsweise den von der Volkssolidarität und der Caritas angebotenen Einkaufsservice für ihre Heimbewohner oder den Rückgriff auf die gute alte Nachbarschaftshilfe. Zudem haben die Pflegedienste so genannte niederschwellige Angebote in ihrem Service, die auch einmalig gekauft werden können. Dazu gehören Dinge wie die Begleitung zum Arzt oder Hilfestellung bei Amtsbesuchen.

Denn die Sturzgefahr für die Senioren und körperlich Beeinträchtigten sei zu hoch, als dass sie sich selbst vor die Tür wagen sollten. Das bestätigt auch Birger Birkholz, stellvertretender Verwaltungsdirektor des Klinikums Südstadt. "Wir haben nach wie vor das Dreifache des Normalen im unfallmedizinischen Bereich", sagt er. Gerade Sprung- und Handgelenksverletzungen hätten im Winter Hochkonjunktur. Ein Drittel von ihnen müsse operativ behandelt werden. Allerdings befinden sich unter den Patienten mehr jüngere als ältere Leute. "Vielleicht sind die Senioren von vornherein vorsichtiger", sagt er.

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