Sturm legt Verkehr lahm - Katastrophenalarm in Vorpommern

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10. Januar 2010, 04:07 Uhr

Das Sturmtief „Daisy“ hat am Wochenende mit meterhohen Schneeverwehungen den Verkehr im Nordosten weitgehend lahmgelegt. Besonders betroffen waren Vorpommern und die Küstenkreise, wo mehr als 320 Menschen aus steckengebliebenen Autos und zwei Zügen gerettet und vorübergehend in Notunterkünfte gebracht werden mussten. Die meisten Menschen waren in der Nacht zu Sonntag auf der Autobahn 20 bei Jarmen (Kreis Demmin) und den Zufahrtsstraßen mit ihren Autos in Schneewehen steckengeblieben. Die Situation entspannte sich landesweit am Sonntagnachmittag, als das Gros der Hauptverkehrsadern, bis auf die A 20 bei Jarmen, wieder geräumt waren. Vorsorglich ordnete die Landesregierung aber an, dass am Montag landesweit die Schule ausfallen soll.

Der Landkreis Ostvorpommern löste als einziger im Land Katastrophenalarm aus, das Schweriner Innenministerium richtete eine interministerielle Arbeitsgruppe ein, die die Hilfen koordinieren soll. Zwei Männer starben Samstagabend bei einem Autounfall im Kreis Nordvorpommern, als ihr Wagen vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit bei Glewitz von der Straße abkam und gegen zwei Bäume prallte.

Das Technische Hilfswerk brachte allein auf der A 20 zwischen Süderholz und der Auffahrt Anklam rund 170 vom Schnee eingeschlossene Autofahrer nach Jarmen in Sicherheit. Das Teilstück war zwischen den Auffahrten Anklam und Greifswald noch am Sonntagnachmittag gesperrt. Im Nachbarkreis Ostvorpommern kamen mehr als 120 Menschen vorübergehend in Notquartiere. Ein Teil der Leute fuhr am Sonntagnachmittag allerdings weiter, hieß es.

Außerdem behinderten starke Schneeverwehungen besonders auf den Inseln Rügen und Usedom und in den Küstenkreisen Bad Doberan und Nordwestmecklenburg den Verkehr. Bei der Feuerwehr in Klütz wurde vorübergehend eine Unterkunft für rund 35 Betroffene und Helfer eingerichtet, die nicht mehr nach Hause kamen. Auch die Kreise Güstrow, Bad Doberan und Nordwestmecklenburg richteten Krisenstäbe ein. Autofahrern wurde in der Region Rerik und Kühlungsborn dringend geraten, auf Fahrten zu verzichten. „Die Lage ist prekär“, sagte ein Polizeisprecher in Stralsund. Auf Rügen stellte der Busverkehr den Betrieb ein. Zahlreiche Ortschaften seien von der Außenwelt abgeschnitten. Auch im Binnenland waren Dutzende Dörfer eingeschneit, Kreis- und Landesstraßen stundenlang unpassierbar, die Menschen verkehrsmäßig von der Außenwelt abgeschnitten.

Wegen orkanartiger Böen hatte die Reederei Scandlines schon am Samstag ihre Fähren von und nach Schweden und Dänemark ab Rostock und Sassnitz gestoppt. Reisende mussten lange Wartezeiten hinnehmen. „Wir können weder die Passagiere noch die Schiffe gefährden“, sagte ein Sprecher. Auch am Sonntag fielen die meisten Fahrten von Rostock nach Gedser und Sassnitz-Trelleborg aus.

Auch der Bahnverkehr war vor allem im Landesosten eingeschneit. Insgesamt 44 Reisende mussten seit Samstagabend aus zwei Zügen zwischen Stralsund und Anklam gerettet werden, die sich in Schneewehen festgefahren hatten. Beide Züge blieben vorerst stehen und sollen später geborgen werden. Landesweit sind die Strecken Berlin-Pasewalk-Stralsund, Berlin-Neubrandenburg-Stralsund, die Querverbindung im Land zwischen Neubrandenburg und Güstrow sowie Sanitz-Tessin, Bergen-Putbus auf Rügen, Stralsund-Barth, Wolgast- Züssow sowie Zinnowitz-Peenemünde auf Usedom gesperrt. Auch die Ostseeland Verkehr GmbH (OLA) stellte den Zugverkehr zwischen Güstrow und Rostock ein.

Bei der Deutschen Bahn saßen 14 Reisende am Sonntagmorgen in einem Personenzug zwischen Ducherow und Anklam fest. Die Feuerwehr und ein Schneepflug der Deutschen Bahn befreiten die frierenden Menschen. Der Personenzug soll erst später geborgen werden. Die Strecke bleibe gesperrt.

Bereits am Samstagabend hatte sich ein Triebzug der Usedomer Bäderbahn bei Miltzow festgefahren. Ein Drehgestell des Triebwagens entgleiste. Die 30 Insassen wurden noch am Abend gerettet. Die Bergung des Triebwagens könne noch dauern, hieß es. Zwischen Wolgast und dem polnischen Swinemünde über die Insel Usedom sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Dort gebe es aber auch auf den Straßen große Probleme, hieß es bei der Polizei.

Der Deutsche Wetterdienst in Potsdam und der Wetterdienst Meteomedia auf Hiddensee warnten am Sonntag vor weiter starken Schneeverwehungen und orkanartigen Böen. So müssten sich vor allem die Kreise und Kommunen an der Ostseeküste auf noch mehr Schneefall und Windböen von mehr als 100 Kilometern pro Stunde einstellen, hieß es in Unwetterwarnungen, die bis Montag früh gelten sollen. „Die Lage bleibt angespannt“ sagte Juliane Pestel von Meteomedia der dpa.

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