Stufen-Plan der Stadt: Erst die Chefs – Mitarbeiter folgen später

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12. August 2008, 08:56 Uhr

Rostock - Ein geschasster Generalintendant und ein heftiger Streit um Spartenschließungen. Das sind bisher die Zutaten im Sommerspektakel um das Rostocker Volkstheater. Währenddessen arbeitet die Stadtverwaltung mit Hochdruck daran, die Spielstätte in eine GmbH zu überführen. Schon vor einem Jahr hatte die Bürgerschaft dazu einen Beschluss gefasst, der geplante Gründungstermin 1. April 2008 ist allerdings ergebnislos verstrichen. Jetzt soll bis Jahresende alles unter Dach und Fach sein.

GmbH im Paket mit Piontek-Kündigung
Falls die Bürgerschaft am 10. September dem Entwurf des Gesellschaftsvertrages zustimmen sollte, erfolge die Gründung unverzüglich nach Genehmigung des Innenministeriums, teilt Stadtsprecher Ulrich Kunze mit. Eine solche Prüfung kann laut Kommunalverfassung bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen. Rund 200 000 Euro würde dann nach Kalkulationen der Verwaltung die Eröffnungsbilanz, Betriebskosten, Stammkapital und Geschäftsführergehälter für die Gründung der Volkstheater-GmbH verschlingen. Kritiker gehen allerdings von weit höheren Kosten aus.

Denn die Rechtsformänderung ist im Paket mit der Piontek-Entlassung und den Strukturveränderungen zu sehen. Der Generalintendant hat bereits angekündigt, gegen seine fristlose Kündigung zu klagen. Im Falle einer Niederlage der Stadtverwaltung wäre eine Abfindung in Höhe von bis zu 300 000 Euro sowie Gerichtskosten fällig.

Auch Spartenschließungen kämen der Stadt zunächst teuer zu stehen. 2,2 Millionen Euro sind für die Abfindung von Mitarbeitern aus den Bereichen Oper und Ballett einem internen Papier zufolge kalkuliert – falls tatsächlich zwei Sparten gestrichen werden. Ob sie dies wollen, darüber halten sich noch viele Fraktionen der Bürgerschaft bedeckt.

Doppelspitze muss auf Personal warten
Die „Personaldebatte“ könnte auch die GmbH-Gründung noch in unruhiges Fahrwasser führen. Denn das heikle Thema Mitarbeiterüberführung hat das Rathaus zunächst ausgespart. „Der Oberbürgermeister hat uns darüber informiert, dass das Personal erst in einem zweiten Schritt auf die GmbH übertragen wird“, teilt Personalrätin Franka Teubel mit. Damit wird die Firma Volkstheater zunächst nur aus den beiden Geschäftsführern bestehen. Chefs ohne Mitarbeiter – die formal weiter bei der Stadt angestellt bleiben.

Die wahrscheinlichsten Kandidaten für die geplante Doppelspitze am Volkstheater sind Anwalt Kay-Uwe Nissen (CDU) für den kaufmännischen Bereich sowie Dirigent Peter Leonard für die künstlerische Leitung. Darüber entscheidet der städtische Hauptausschuss wahrscheinlich schon am 26. August. Zuvor steht der Piontek-Rauswurf auf der Tagesordnung.

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