Studiengebühr vergrault Studenten - MV profitiert nur wenig

Studiengebühren halten deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine Studie, die seit Wochen unter Verschluss gehalten wurde. Für den Osten heißt das: Weniger Abiturienten wollen im Westen studieren. Und die Gebührendebatte hat zur Verunsicherung beigetragen, auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen – wie in MV.

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20. Oktober 2008, 08:52 Uhr

Berlin/Rostock/Greifswald - Nach der Studie des Bundesbildungsministeriums haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18 000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen.

2006 hatten erst zwei Bundesländer – Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern – in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, im Saarland sowie in Hessen, wo sie jedoch nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft wurden.

Laut Studie verzichten insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern wegen der Gebühren häufiger auf das Studium.

MV profitiert - bis zum Verwaltungsbeitrag?
Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien „deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen“, stellt das Hochschul-Informations-System in der Studie – sie stützt sich auf die Befragung von 5240 Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 – fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu „erheblicher Verunsicherung“ geführt – auch in Ländern ohne Gebühren.

Weiter heißt es in der Studie, eine Abwanderung von Studien- Interessierten von „Gebührenländern“ in „Nicht-Gebührenländer“ sei „in großem Umfang nicht zu verzeichnen“. Gleichwohl wollten im Vergleich zu früheren Jahren weniger Abiturienten im Westen studieren, wo Gebühren verlangt werden.

Mecklenburg-Vorpommern profitiert davon. Hier lernen so viele Erstsemester wie nie zuvor – allein an Rostocks Uni zehn Prozent mehr als noch im Oktober 2007. Die Mehrzahl der Studenten schreibt sich an Unis ein, die ihren Elternhäusern am nächsten liegen. So kommen mehr als 60 Prozent von Rostocks Studenten aus MV. Gebühren? „Wir werden uns immer gegen solche Pläne wehren“, sagte gestern Ulrich Vetter, Sprecher der Rostocker Hochschule.

Doch die große Koalition im Land strickt bereits an einer versteckten Studiengebühr. Demnach sollte ab April 2009 jeder der 35 000 Studenten in MV einen Verwaltungskostenbeitrag von 50 Euro pro Semester bezahlen. SPD und CDU hatten sich im September darauf geeinigt, das Landeshochschulgesetz zugunsten einer pauschalen Gebühr zu ändern.

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