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Schwerin: Strafanzeige wegen versuchten Betruges gestellt

: Stromriese drängt Kleinfirma ab

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Eine Tochtergesellschaft des große Teile des Strommarktes beherrschenden Energieriesen RWE bringt einen kleinen Schweriner Projektentwickler für regenerative Biomasseanlagen in Bedrängnis.

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erstellt am 28.Jan.2011 | 10:47 Uhr

Schlagabtausch am Bioreaktor: Eine Tochtergesellschaft des große Teile des Strommarktes beherrschenden Energieriesen RWE bringt einen kleinen Schweriner Projektentwickler für regenerative Biomasseanlagen in Bedrängnis. Die RWE Innogy Cogen GmbH mit Standorten in ganz Europa verweigert dem Schweriner Projektteam von EGP Energy Global Power GmbH nach Angaben von EGP-Chef Andreas Franke die Zahlung Hunderttausender Euro Projektkosten für eine Anlage in Spanien und treibt die Schweriner Anlagenentwickler so in den Ruin.

Dabei schien das Geschäft lukrativ: Seit den 90er-Jahren mischt Franke auf dem Öko-Strommarkt mit und projektiert Biomasse-Kraftwerke - in Hagenow, Feldberg, Demmin und eben Spanien. Selbst mit einer RWE-Tochter habe er bei einem Projekt in Malchin "gute Erfahrungen gemacht", erklärt er. Weitere Biomasse-Kraftwerke in Spanien sollten folgen: entwickelt von Franke für die Kapitalgesellschaft Nordkapital. Projektkosten: 1,8 Millionen Euro. Doch die stiegen mit der Finanzkrise aus, zahlten Franke 720 000 Euro für seine bis dahin erbrachten Planungsleistungen und verkauften das Projekt für 4,3 Millionen Euro an die RWE-Tochter. Zumindest eine Anlage ließ der Konzern von Franke weiterentwickeln, hatte Einsicht in alle Projektunterlagen, war in alle Bauverhandlungen einbezogen - bis die Energieriesen den Vertrag kurzerhand kündigten und das Projekt mit Kenntnis der bisherigen Planungen selbst verwirklichten, erklärt der Firmenchef. Nur den Lohn für erbrachte Projektierungsleistungen verweigert RWE dem Schweriner auch Monate später noch - bis heute. Den Erlös jahrelanger Arbeit kann Franke in den Wind schreiben - Streitwert: mehr als eine Million Euro.

Dabei beruhe die für die Anlage von den spanischen Behörden erteilte Genehmigung auf dem von ihm gestellten Antrag. Das gehe eindeutig aus den Antragsunterlagen hervor, sagt Franke. RWE hingegen verweigere einfach die Anerkennung und bleibe alleiniger Nutznießer. Für 720 000 Euro habe RWE sich ein Projekt eingeheimst, was sonst 1,8 Millionen Euro koste, meint Franke. Seit RWE das Geschäft mit regenerativer Energie für sich entdeckt hat, kämpft der Konzern mit harten Bandagen. Franke: "Die wollten doch nur die Projektrechte und unser Knowhow haben und uns ansonsten rausschmeißen."

Inzwischen lässt sich RWE Franke zufolge in Spanien für Investitionen von 40 Millionen Euro feiern. In diesem Jahr solle das Biomasse-Kraftwerk mit zehn Megawatt Leistung gebaut werden, 90 Jobs entstehen - auf der Grundlage von Frankes Projektplanungen und von ihm eingereichten Anträgen zur Netzeinspeisung des Öko-Stroms.

Die Marktmacht des Konzerns zwingt die Schweriner Projektentwickler indes in die Knie: Franke und seine Mitarbeiter bekommen die wirtschaftlichen Konsequenzen der Verweigerungshaltung von RWE deutlich zu spüren. So habe er in Schwerin fünf, in Spanien zehn Mitarbeiter entlassen müssen.

RWE wehrt die Vorwürfe indes konsequent ab: Alle Dienstleistungen, die in den Verträgen seinerzeit vereinbart worden seien, habe RWE Innogy auch "ordnungsgemäß bezahlt", erklärte ein Unternehmenssprecher. Das wird sich erst noch zeigen.

David gegen Goliath: "Wer verklagt schon RWE", meint Franke. "Das hält man kostenmäßig kaum durch. Und darauf spekuliert RWE." Der Schweriner Projektentwickler hat es trotzdem getan: Franke hat gegen mehrere RWE-Manager Strafanzeige wegen versuchtes Betruges stellen lassen.

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