Streit um Torfabbau im Hofmoor

Breesen (Nordwestmecklenburg) ist der Hauptsitz von Nordtorf  in Mecklenburg. Hier wird weiterhin Torf abgebaut. Foto: Archiv
Breesen (Nordwestmecklenburg) ist der Hauptsitz von Nordtorf in Mecklenburg. Hier wird weiterhin Torf abgebaut. Foto: Archiv

Das Hofmoor zwischen Grambow und Wittenförden soll sein Torf hergeben. Die Firma Lübkes Nordtorf will hier ab 2010 eine Million Kubikmeter des Rohstoffes abbauen und in Drispeth verarbeiten. Beide Gemeinden lehnen das ab und machen das im laufenden Planverfahren deutlich.

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01. August 2008, 08:02 Uhr

Grambow / Wittenförden - Die Torfvorkommen im Drispether Moor sind erschöpft. Noch einige Jahre, dann kann die Firma Lübkes Nordtorf Humus- und Peloidwerke diesen Rohstoff hier nicht mehr fördern. Die zwölf Angestellten sollen aber weiterhin 25000 bis 30000 Kubikmeter Gartenerde pro Jahr herstellen. Im Hofmoor zwischen Grambow und Wittenförden – nicht zu verwechseln mit dem unter Naturschutz stehenden Grambower Moor – lagern unter dem seit Jahrzehnten bewaldeten Boden aber noch riesige Mengen Torf. Ab dem Jahr 2010 will die Firma Nordtorf hier bis 2045 eine Million Kubikmeter Torf abbauen und verarbeiten.

„Das ist keine neue Sache und eigentlich längst vereinbart“, sagt Nordtorf-Geschäftsführer Horst Papke. Er verweist auf einen Kompromiss in der Nachwendezeit, als die Torfbauer den Abbau im Grambower Moor fast komplett einstellten. Nur auf einer kleinen Randfläche von fünf Hektar wird seitdem hier noch Torf gewonnen – für medizinische Zwecke. Der größte Teil des Grambower Moores wurde vernässt, damit sich im Naturschutzgebiet wieder eine Moorlandschaft entwickeln kann. „Wir haben damals schweren Herzens zugestimmt und unsere Produktionsstätten verlassen, obwohl noch riesige Mengen Torf im Grambower Moor lagern“, betont Papke. Quasi als Gegenleistung wurde der Firma zugesagt, später Torf im Hofmoor gewinnen zu können. „Das wollen wir jetzt machen.“

Pläne liegen noch bis Mitte August in Bauämtern ausDoch bevor die Firma an die Ausbeutung des Rohstoffs gehen darf, läuft jetzt ein Planverfahren, in dem sich Gemeinden und Bürger äußern können. In den betroffenen Dörfern Grambow und Wittenförden regt sich zeitgleich Widerstand gegen dieses Vorhaben. Es werden Unterschriften gegen die Abbaupläne gesammelt. Auch in beiden Gemeindevertretungen wurde das Thema bereits behandelt. Grambow hat eine ablehnende Stellungnahme verabschiedet. In Wittenförden steht das Papier Anfang August zur Abstimmung.
„Es ist doch heute nicht mehr zeitgemäß, den Kohlendioxid speichernden Torf zu Gartenerde zu verarbeiten“, meint Manfred Bosselmann, Bürgermeister von Wittenförden. Ökologisch sei der Torfabbau im Hofmoor auch aus weiteren Gründen nicht zu vertreten. Denn dafür müssen im Laufe der Jahre 88 Hektar Wald gefällt werden. Auch der Wasserhaushalt der Region werde beeinträchtigt. Denn Hofmoor und Grambower Moor sind zwar geologisch getrennt.

Doch das beim Torfabbau überschüssige Grundwasser soll in den Ottergraben gepumpt werden und dann abfließen – ums Grambower Moor herum. „Das Grambower Moor ist ein Regenmoor. Die Renaturierung klappt nur, wenn wir das Wasser darin halten“, erläutert Herbert Piotrowski, Grambows Bürgermeister. Schon jetzt seien die Wehre viel zu selten geschlossen, geht dem Moor kostbares Nass verloren. „Wenn der Ottergraben als Abfluss für das abgepumpte Wasser aus dem Hofmoor dient, gefährdet das den Wasserstand im Naturschutzgebiet Grambower Moor“, ist Piotrowski überzeugt.
Der Torfabbau und der Transport nach Drispeth hat zudem erhebliche Auswirkungen auf die Menschen, wie Manfred Bosselmann unterstreicht: „Wir verlieren ein Naherholungsareal vor unserer Haustür. Und da Wittenförden in der Hauptwindrichtung liegt, müssen wir stattdessen mit Belästigungen durch Lärm und Staub rechnen.“

Hinzu kommt der Verkehr. Denn die Lkw mit dem Rohtorf müssen bis Drispeth fahren. Der kürzeste Weg führt quer durch Wittenförden zur B 106 (Schweriner Umgehung). Diese Straße hält die Gemeinde wegen ihres schlechten Zustandes und der (geringen) Ausbaubreite schlichtweg für ungeeignet.
Horst Papke ist über die Ablehnung aus den Gemeinden verwundert, denn die wüssten seit Jahren vom einst vereinbarten Torfabbau im Hofmoor. Dieser erfolge zudem nicht gleichzeitig auf der ganzen Fläche, sondern immer auf Teilstücken, so Papke. Bereits ausgebeutete Gebiete würden anschließend renaturiert.

Bosselmann und Piotrowski betonen, dass beide Gemeinden sich bereits vor Jahren kritisch zum Torfabbau geäußert hatten, als die Torfwerke ihren Betriebsplan vorstellten. „Uns war bewusst, dass die Gefahr des Torfabbaus nicht gebannt ist, dass das aber jetzt auf dem Tisch liegt, kam überraschend“, betont Herbert Piotrowski.

In den Bauämtern von Lützow und Stralendorf liegen die Aktenordner aus, in denen Betroffene und Interessierte den Betriebsplan und das „naturschutzrechtliche Gutachten“ selbst einsehen können, jedermann kann Stellung nehmen. In Lützow ist das bis zum 14. August möglich – montags, dienstags und donnerstags jeweils von 8.30 bis 12 Uhr sowie dienstags 13 bis 16 Uhr und donnerstags 13 bis 18 Uhr. In Stralendorf endet die Auslegungsfrist am 16. August, Sprechzeiten sind hier dienstags 14 bis 19 Uhr und donnerstags 9 bis 12 sowie 14 bis 18 Uhr.

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