Streit um Tankstelle legt ganz Zarrentin „trocken“ - Keine Lösung in Sicht (Kopie 1)

Seit Tagen müssen die Zarrentiner sich eine Tankstelle in der Region suchen, wenn sie tanken wollen. Die Zapfsäulen in der Klosterstadt geben keinen einzigen Liter mehr her, weil Pächter und Besitzer der Tankstelle in einem erbitterten Streit liegen. Vor Donnerstag ist keine Lösung in Sicht, dann treffen sich beide Parteien vor dem Hamburger Landgericht.

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02. November 2008, 05:35 Uhr

Zarrentin - An jeder der Zapfsäulen klebt mindestens ein Zettel. Doch die Botschaft mit dem Leerstand in den unterirdischen Tanks ist nur ein Teil der Wahrheit. Der bisherige Pächter der Tankstelle, Karsten Gast, darf keinen Sprit mehr verkaufen. So will es die einstweilige Verfügung, die die Firma „Hermann Lother und Co. (Lotherol)“ erwirkt hat, ihr gehört die Tankstelle.

Als Folge ist aus Zarrentins einziger Tankstelle ein Bistro geworden, und eine Lösung der Pattsituation ist vor Donnerstag wohl nicht in Sicht. So müssen sich die 3500 Zarrentiner und die Bewohner der Region andere Tankmöglichkeiten suchen. Und die sind rar und meist gut 20 Kilometer weg. Wittenburg, Boizenburg im Osten und Lehmrade bei Mölln bieten sich an, der Rasthof Schaalsee an der A 24 ist auch nur über weite Umwege zu erreichen.

Für die Zarrentiner, sehr viele fahren zur Arbeit ins nahe Schleswig-Holstein oder in den Hamburger Raum, ist der aktuelle Zustand schlicht eine Zumutung.

Hintergrund der in der ganzen Region bisher beispiellosen Posse ist ein erbittert geführter Streit zwischen Eigentümer und Pächter. Die Eskalation begann am 20. Oktober, als Pächter Karsten Gast nicht mehr in seine Tankstelle und Werkstatt kam und nach seinen Schilderungen handstreichartig vom Hof gejagdt wurde.

Dem widersprechen Peter Goy und Matthias Bartholl als Geschäftsführer von Lotherol ganz energisch. An dem Abend habe es eine ordnungsgemäße Übergabe der Tankstelle gegeben. „Nachdem der Schuldenstand von Herrn Gast extrem angestiegen war, wurde der Pachtvertrag hinfällig und wir haben gehandelt, um unser Eigentum zu schützen.“

Der so Angegriffene, der die Schulden zumindest in der behaupteten sechsstelligen Höhe bestreitet, wehrte sich. Mit Hilfe des inzwischen bestellten Insolvenzverwalters Dr. Mark Zeuner erwirkte er nach dem 20. Oktober seinerseits eine Verfügung und durfte in die Tankstelle zurück. Zwischenzeitlich hatten die Besitzer einen neuen Pächter eingesetzt.

In der nächsten Streitrunde ging es um den Treibstoff in den unterirdischen Tanks. Matthias Bartholl vom Eigentümer: „Der Sprit ist unser Eigentum und darf von Herrn Gast nicht verkauft werden. Weil er es am Anfang dennoch tat, mussten wir das auf gerichtlichem Weg auch noch erwirken.“

Ergebnis: die Zapfsäulen sind still gelegt. Die Lösung soll nun ein beschleunigtes Verfahren vor dem Hamburger Landgericht bringen, Termin ist am Donnerstag. Es sei denn, eine Seite knickt vorher ein. Für die Besitzer ist die Sache klar: Sie fordern eine Übergabe der Tankstelle und wollen mit Karsten Gast nicht mehr zusammenarbeiten.

Der beschuldigte Pächter vermutet, dass man ihn einfach nur rausdrängen wolle, damit die Besitzer der Tankstelle den ganzen Gewinn allein einstreichen können.

Vom Insolvenzverwalter Zeuner, gerichtlich zur Neutralität verpflichtet, gab es nach de jüngsten Eskalation das Angebot, den laufenden Betrieb der Tankstelle unter gerichtliche Aufsicht zu stellen und die Ansprüche in Ruhe zu klären. Doch darauf wollte man sich bei Lotherol bisher nicht einlassen.

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