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Schwerin riskiert mit Ansiedlungsplänen Aufschwung in der Innenstadt : Streit um Decathlon in neuer Runde

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Die Schweriner Kommunalpolitiker haben die Entscheidung über die geplante Ansiedlung des französischen Sportartikel-Anbieters Decathlon an der Südspitze der Neuen Gartenstadt verschoben.

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2011 | 08:46 Uhr

Schwerin | Die Schweriner Kommunalpolitiker haben die Entscheidung über die geplante Ansiedlung des französischen Sportartikel-Anbieters Decathlon an der Südspitze der Neuen Gartenstadt zwischen Ludwigsluster Chaussee und Umgehungsstraße verschoben. Kurz vor ihrer Sommerpause verwiesen die Mitglieder des Hauptausschusses den entsprechenden Antrag der Fraktion SPD-Bündnis 90/Die Grünen, die Ansiedlung zu unterstützen, in die Fachausschüsse. Diese tagen erstmals wieder nach den Sommerferien.

Decathlon bemüht sich schon seit Langem, auf dem Gelände der ehemaligen Rinderbesamungsstation zu investieren. An der Ludwigsluster Chaussee will der französische Sportartikelhersteller und -händler auf 2500 Quadratmeter Fläche eine Vollsortiment-Niederlassung eröffnen. Von Sportbekleidung über Angelzubehör bis hin zu Fahrrädern - alles bieten die Franzosen an, dabei 60 bis 80 Prozent Eigenmarken. Laut Daniel Meslien, SPD-Grüne-Fraktionsvorsitzender, habe auch Saturn Interesse am Standort Schwerin bekundet. "Jede Wirtschaftsansiedlung in der Landeshauptstadt ist grundsätzlich zu begrüßen, da neben der Schaffung von Arbeitsplätzen auch Steuereinnahmen für unsere Stadt zu erwarten sind", argumentiert Meslien. "In diesem Fall handelt es sich um Einzelhandelsunternehmen mit einem hohen Attraktivitätsgrad, nicht zuletzt stellt Saturn einen Anziehungspunkt für junge Leute dar, die weite Strecken zurücklegen, um dort einkaufen zu können. Decathlon stellt eine breite Angebotspalette zur Verfügung, die bis in den Camping-Freizeitbereich reicht und bietet zudem eine Erlebniswelt durchs Prinzip ,Ausprobieren im Geschäft - dann kaufen an."

Die aktuelle Debatte verfolgen nicht nur die hiesigen Einzelhändler mit Sorge. Ihre Angst: Billig-Konkurrenz am Stadtrand könnte den Einzelhandel in der Innenstadt schädigen. Verödung der City und Verlust von Arbeitsplätzen lauten die Stichworte. Auch Marienplatz-Galerie-Investor Joachim Tenkhoff hält die Ausweisung von so großer Einzelhandelsverkaufsfläche auf der grünen Wiese für "eine Katastrophe für die Innenstadt". Tenkhoff: "Ich hatte gehofft, die Politik würde besonnen entscheiden. Wir haben 70 Millionen Euro in der Schweriner Innenstadt investiert. Die Marienplatz-Galerie ist gerade ein paar Wochen fertig und schon setzt die Stadtpolitik uns den Stuhl vor die Tür." Ein potenzieller Mieter in der Galerie, der Sportartikel verkauft, habe Tenkhoff zufolge wegen der möglichen Ansiedlung von Decathlon bereits abgesagt. Er werde nicht am Marienplatz sein Geschäft eröffnen. "Die Innenstadt ist voll, die erhoffte Wirkung erzielt, das Konzept funktioniert", sagt Tenkhoff. "Jetzt über Investitionen am Stadtrand zu reden, konterkariert alle bisherigen Konzeptionen, die Innenstadt zu stärken. Allein die Diskussion ist negativ für die City."

Dass ausgerechnet die SPD die Ansiedlung an der Ludwigsluster Chaussee vorantreibt, könnte einen schlichten Hintergrund haben: Einer der Inhaber der Schweriner Grundstücksverwaltung, die das Areal an der Südspitze der Neuen Gartenstadt vermarkten möchte, ist SPD-Mitglied der ersten Stunde in Schwerin und war mehrere Jahre Landtagsabgeordneter.


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