Störe und Störenfriede

Mitarbeiter Volker Wichmann beim Umsetzen eines Störs. Foto: dpa
Mitarbeiter Volker Wichmann beim Umsetzen eines Störs. Foto: dpa

Caviar-Creator kommt nicht aus den Schlagzeilen. Neuester Fall: das Chaos am Dienstag. 14 Personen sollen mehrere Stunden lang die Anlage in ihre Gewalt gebracht haben. Der Versuch einer feindlichen Übernahme? Jedenfalls ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Hausfriedensbruch, Nötigung – und Freiheitsberaubung.

von
25. Juli 2008, 08:09 Uhr

Demmin - Hektik auf dem Gelände in Demmin: Mit drei Wachhunden verschafft sich eine 14-köpfige Gruppe um einen ehemaligen Gesellschafter des Kaviarproduzenten mit dem Demminer Rechtsanwalt Arne J., der hel-fenden Polizei und einem Schlüsseldienst Zutritt zum Werksgelände und übernehmen die Leitung der weltgrößten Störzuchtanlage. Sie durchsuchen Büros, fotografieren die Anlagen, durchforsten Unterlagen, verweisen den Geschäftsführer des Geländes und halten Angestellte in den Räumen – verhören sie rund eine Stunde. So beschreiben die Verantwortlichen der Firma in einer schriftlichen Stellungnahme aus ihrer Sicht den „Überfall“ – der Höhepunkt jahrelange Querelen. Sie erstatteten Anzeige wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und Freiheitsberaubung. Caviar Creator nennt den Vorfall einen „Versuch einer feindlichen Übernahme auf der Grundlage falscher Informationen an die Polizei“.

„Bei uns ist kurz nach der Aktion per E-Mail eine Anzeige eingegangen. Was konkret passiert ist, müssen wir ermitteln“, so Gerd Zeisler, zuständiger Oberstaatsanwalt in Neubrandenburg. Da es sich im Wesentlichen um zivilrechtliche Dinge handele, sei der Fall nicht eilbedürftig. „Wir werden in Ruhe ermitteln, was tatsächlich geschehen ist“, so Zeisler.
Aus der Anzeige gehe hervor, dass die Gesellschafter gekommen seien, um den Geschäftsführer Detlef Dücker zu entmachten. Aus Sicht von Caviar Creator seien sie nicht berechtigt gewesen, das Gelände zu betreten. Mit der Rückendeckung der Polizei sei Dücker später genötigt worden, das Gelände zu verlassen. „Unsere Beamten haben lediglich die Aktion begleitet und sich aus allen Streitigkeiten rausgehalten“, entgegnete Steffen Bühring, Leiter des Polizeireviers, gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Bürhing erklärte, die Gesellschafter hätten bereits am Vormittag versucht, auf das Gelände von Caviar Creator zu kommen. Als dies nicht gelang, baten sie die Polizei um Schutz vor Übergriffen. Drei Beamte begleiteten den Tross. „Es habe einen Tag zuvor in Berlin eine Gesellschafterversammlung gegeben, in der die Absetzung des Geschäftsführers beschlossen worden sei. Sie konnten uns belegen, dass sie Eigentümer des Grundstücks sind“, so Bühring. Chef Detlef Dücker sei des Geländes verwiesen worden. Dieser schaltete seine Anwälte ein. Eine anschließende Flucht der Eindringlinge, wie sie Caviar Creator beschreibt, habe es aus Perspektive der Polizei nicht gegeben. „Damit Ruhe einkehren konnte, empfahlen wir beiden Seiten, dass sie sich zu Beratungen an einen Tisch setzen. Das ist friedlich passiert, wobei wir nicht im Raum waren. Inhaltliche Dinge interessierten uns nicht, da diese zivilrechtlichen Sachen nicht in unserem Aufgabenbereich liegen“, so Bühring.

Laut Caviar Creator hätten die Beschuldigten in Berlin eine Tochterfirma gegründet und fühlten sich berechtigt, das Fischwerk zu übernehmen. Die Mutter-Firma erstattete in Berlin zusätzlich Anzeige wegen gemeinschaftlichem schweren Betrugs.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen