Straße von Schlamm und Wasser bedeckt : Stiftstraße von Trinkwasser überflutet

Das neue Rohrstück passend abgesägt: Martin Eichholz (l.) und sein Kollege, Baggerfahrer  Benno BeranekIlja Baatz
Das neue Rohrstück passend abgesägt: Martin Eichholz (l.) und sein Kollege, Baggerfahrer Benno BeranekIlja Baatz

Um 2.30 Uhr ruft ein Einwohner beim Bereitschaftsdienst der Stadtwerke an und berichtet von aus der Erde sprudelndem Wasser in der Stiftstraße. Als Edgar Marschall kurze Zeit später dort ankommt, traut er seinen Augen nicht.

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03. November 2010, 09:11 Uhr

lübz | Er sah Schlammmassen bis zur Eldestraße, rund 15 Zentimeter hoch stehendes Wasser und die Straße eingebrochen. "Obwohl schon bald 20 Jahre dabei, habe ich so etwas noch nie gesehen", sagt Marschall. "Als Verstärkung habe ich gleich die Polizei geholt." Schnell steht fest, dass die unter der eingesackten Stelle liegende Haupttrinkwasserleitung mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern defekt sein muss. Sie wird umgehend in Höhe des Stiftskindergartens und nahe der Mühlenstraße abgeriegelt - "abschiebern" sagen die Fachleute dazu. Nachlaufen kann so erst einmal nichts mehr.

Holger Albrecht ist Abteilungsleiter für die Bereiche Gas und Wasser bei den Stadtwerken. Er wohnt von der Mühlenstraße aus gesehen noch vor dem Kindergarten und wundert sich morgens gegen 5.30 Uhr im Bad, dass kein Wasser aus dem Hahn kommt. Warum, weiß er nur wenige Minuten später. Die Stadtwerke richten umgehend zwei provisorische Wasserzapfstellen an Hydranten in der Mühlenstraße und im Stiftsweg ein, informieren die betroffenen Haushalte per Flugblatt und verteilen zudem gefüllte Wasserkanister. Kurz darauf beginnt eine Tiefbaufirma damit, zu der im Boden liegenden Schadstelle vorzudringen. Von vornherein ist klar, dass hier nichts schnell geht, denn ein Wohnhaus steht keinen Meter weit vom Rand der Einbruchstelle in der Straße entfernt. Außerdem wissen die Fachkräfte, dass direkt über der Trinkwasserleitung der aus Betonrohren bestehende Regenwasserkanal liegt. Er muss weichen, um an die Schadstelle zu gelangen. Zunächst gilt es aber, das Erdloch durch seitliche Stahlwände zu stabilisieren, denn nachrutschender Boden könnte zum Beispiel auch schwere Schäden an dem Wohnhaus mit sich bringen. Da steht schon fest, dass die Wasserleitung auf einer Länge von etwa 1,70 Meter aufgerissen ist. "Grund dafür ist, dass der Boden im Bereich Stiftstraße sehr torfig und somit ständig in Bewegung ist, was zu Spannungen in den Rohren führt", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin. Der instabile Untergrund habe erst vor kurzem dafür gesorgt, einen Schmutzwasserschacht in rund 20 Metern Entfernung absacken zu lassen, was jedoch mit der jetzigen Unglücksstelle nichts zu tun hat.

Am Mittwoch um 15.02 Uhr hat Reimund Günther von der Firma Dau in gut zwei Metern Tiefe das geplatzte Stück der Rohrleitung entfernt, schon rund eine Stunde später ist die Versorgung wieder hergestellt. Bis morgen bleibt die Einfahrt in die Stiftstraße von der Mühlenstraße allerdings noch gesperrt. Wer in sie beziehungsweise den anschließenden Stiftsweg möchte, muss von der B 191 aus kommen.

Wegen moderner Technik kann Holger Albrecht sagen, dass die Leitung etwa gegen 1.30 Uhr aufgerissen sein muss. Ab diesem Zeitpunkt verzeichnet das Wasserwerk einen ungewöhnlichen Verbrauchsanstieg. Letztlich steht fest, dass sich rund 1000 Kubikmeter Wasser - also eine Million Liter beziehungsweise der durchschnittliche Jahresverbrauch von zehn Einfamilienhäusern mit drei Bewohnern - in die Stiftstraße ergossen haben.

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