Stephanie bändigt 280 Pferde

Von wegen 'uncool' - Stephanie Schulz hinter dem Steuer eines 280 PS starken und acht Tonnen schweren Traktors. Bald darf sie damit auch auf der  Straße fahren. Susanne Lang (2)/Archiv
Von wegen "uncool" - Stephanie Schulz hinter dem Steuer eines 280 PS starken und acht Tonnen schweren Traktors. Bald darf sie damit auch auf der Straße fahren. Susanne Lang (2)/Archiv

Den Auto-Führerschein zu machen, ist heutzutage nicht ungewöhnlich. Den hat Stephanie Schulz auch schon. Jetzt setzt sie noch einen drauf - die 17-jährige Gymnasiastin wird bald mit schwerem Gerät auf den Straßen unterwegs sein, auf einem "Fendt Vario" mit acht Tonnen. Doch erst muss sie den Traktor-Führerschein haben.

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06. Mai 2009, 07:54 Uhr

Güstrow | Damit ist sie eine der wenigen, die sich offiziell hinter das Lenkrad eines landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuges klemmen darf. "Auf dem Feld braucht man keinen Führerschein, das ist ja Privatgelände", sagt Fahrschullehrer Heinz-Georg Sundermann. Der Güstrower betreibt eine von zwei Fahrschulen in der Stadt, die zur Lizenz zum Traktorfahren führt. Momentan habe er drei Fahrschüler für den großen Traktor mit 60 km/h, also die T-Klasse, erzählt Sundermann. Stephanie Schulz ist eine davon. Die Ernst-Barlach-Gymnasiastin lernt das Traktorfahren auf dem betriebseigenen Fahrzeug. Die 17-Jährige wirkt noch zierlicher neben den mannshohen Traktorreifen. "Auf dem Feld bin ich natürlich schon gefahren", erzählt sie. "Aber wenn ich den Führerschein habe, darf ich auch Straßenfahrten machen." Außerdem seien die Fahrstunden sinnvoll, denn "der Traktor ist ziemlich groß und schwer - wenn dann noch ein Hänger dran ist, muss man auf jeden Fall damit umgehen können."

Familie Schulz bewirtschaftet einen großen Hof in Gerdshagen, "reiner Ackerbau". Sie habe allerdings nicht vor, den Hof zu übernehmen. In ihrer Klasse ist sie als Einzige auf einem Bauernhof zuhause. "Uncool" finde sie Traktorfahren nicht. "Das ist eher andersrum. So einem großen Traktor kuckt man auf der Straße ja schon nach", meint sie lachend.

Jetzt sind jedoch erst mal Fahrstunden an der Reihe. Heinz-Georg Sundermann rechnet im Schnitt mit zehn Stunden. Bei Traktoren gebe es allerdings keine Doppelbedienung, erzählt er. "In den ersten Stunden fahre ich noch vorneweg, dann tuckele ich hinter dem Traktor her. Über Funk gibt es dann die Anweisungen."

Sundermann kommt selbst vom Bauernhof und ist viele Jahre Traktor gefahren. Seit 31 Jahren verhilft er seinen Schülern zur Fahrlizenz. Den Traktor-Führerschein machen allerdings "maximal fünf im Jahr", sagt er. "Tendenz sinkend." Das Klischee von fahruntüchtigen Frauen kann er übrigens nicht bestätigen. "Mädels, die sich den Traktor- oder Lkw-Führerschein vornehmen, haben da keine Schwierigkeiten." Stephanie klettert auf den Fahrersitz. Zur Erntezeit gibt es wieder viel zu tun auf Schulzens Hof. Bis dahin hat sie den Führerschein bestimmt in der Tasche - da ist sich auch ihr Fahrlehrer sicher.

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