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17. Dezember 2017 | 03:28 Uhr

Stecher: "Da werde ich zweimal 30"

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erstellt am 11.Mai.2010 | 09:08 Uhr

Jena | Renate Stecher ist auch 34 Jahre nach Ende ihrer Laufbahn unübertroffen. Mit sechs Medaillen - dreimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze - ist die Jenaerin die erfolgreichste deutsche Leichtathletin der Olympia-Geschichte. "Darauf bin ich schon stolz. Weniger deswegen, weil ich noch immer erfolgreichste Deutsche bin. Vielmehr darüber, dass ich diese Erfolge geschafft habe", sagt die ehemalige Ausnahme-Sprinterin, die zwischen 1970 und 1976 zu insgesamt 17 Weltrekorden rannte.

Wenn sie heute einen runden Geburtstag feiert ("Da werde ich zweimal 30."), wird es keine großen Empfänge geben. "Eine kleine Feier mit den Kollegen vom Studentenwerk Thüringen, zu Hause ganz in Familie mit Mann, Kindern, Enkeln und Freunden", erzählt die aus dem sächsischen Süptitz bei Torgau stammende Rekordsprinterin. In den Tagen danach will sie auch noch im Kreis ihrer Basketball-Volkssportgruppe anstoßen. Die Korbjagd, Radfahren - das war als Kind die erste Station ihrer Sportler-Laufbahn - , Skifahren und Gymnastik sind heute ihre sportlichen Hobbys.

Schon zu ihren Glanzzeiten gehörte Renate Stecher eher zur Fraktion der Ruhigen. Die große Show und Mätzchen waren ihre Sache nicht. Dafür war sie ein Konzentrationswunder. Bei Leistungstests der DDR-Sprinterelite bescherte sie ihrem Trainer Horst-Dieter Hille mehrfach Schrecksekunden und graue Haare. Im Wettkampf hingegen beherrschte sie über viele Jahre die Konkurrenz. Zwischen 1970 und 1975 war sie de facto unbesiegbar. Fünf Europameistertitel im Freien - Weltmeisterschaften gab es erstmals 1983 - , vier in der Halle und sieben Siege bei Europacups belegen das.

In den Annalen der Welt-Leichtathletik wird sie aber nicht wegen der olympischen Rekordausbeute in Deutschland geführt, in den Bestenlisten des Weltverbandes IAAF steht sie für immer als erste Frau, die 100 Meter unter elf Sekunden sprintete, zudem als letzte handgestoppte und erste vollelektronisch gemessene Weltrekordlerin über 100 Meter. Die "Schallmauer" durchbrach Renate Stecher mit 10,9 Sekunden am 7. Juni 1973 in Ostrava, 23 Tage später folgten in Dresden sogar 10,8 Sekunden. Das war der letzte von der IAAF anerkannte handgestoppte Weltrekord, denn ab Jahresbeginn 1974 galt nur noch die elektronische Zeitmessung. Und in dieser Rubrik stand Stecher bereits mit ihren 11,07 vom Olympiasieg 1972 in München als erste Rekordhalterin. München waren mit Gold über 100 und 200 Meter (22,40) auch ihre erfolgreichsten Spiele. Dass sie als Schlussläuferin der Sprintstaffel von der westdeutschen Heide Rosendahl abgefangen wurde, wurmt sie nur noch insofern, als diese Bilder bei allen Rückblicken immer wieder auftauchen. Erstmals wurde sie damals als Schlussläuferin und nicht auf der längeren Gegengeraden aufgeboten. "Warum? Das weiß ich nicht. Das haben die Trainer festgelegt. Es war schon überraschend, dass eine Weitspringerin schneller war als ich, die vorher mit Bestzeiten die 100 und 200 Meter gewonnen hatte. Dafür haben wir uns vier Jahre später in Montreal revanchiert", merkt die Jenaerin an. Zudem gab es in Kanada noch Silber (100 m) und Bronze (200 m).

Nach den Spielen in Nordamerika beendete sie ihre Laufbahn, arbeitete bis 1990 als Diplomsportlehrerin an der Jenaer Universität, bevor ihre Stelle nach der Wende abgewickelt wurde. Seitdem ist sie beim Thüringer Studentenwerk angestellt - mit großer Bedeutung für viele Studenten: Renate Stecher ist fürs Bafög zuständig.

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