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Bürgertag in der Stasi-Unterlagen-Behörde : Stau am Schreibtisch von Stasi-Chef Mielke

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"Wir sind das Volk" - dieser Ruf ertönte am Samstag noch einmal in der früheren Machtzentrale der DDR-Staatssicherheit in Berlin. Der Stasi-Unterlagen-Beauftragte Roland Jahn übergab das sanierte Haus der Öffentlichkeit.

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erstellt am 16.Jan.2012 | 09:43 Uhr

Berlin | "Wir sind das Volk" - dieser Ruf ertönte am Samstag noch einmal in der früheren Machtzentrale der DDR-Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Der Stasi-Unterlagen-Beauftragte Roland Jahn übergab das sanierte Haus 1 mit dem original erhaltenen Büro von Ex-Stasi-Minister Erich Mielke der Öffentlichkeit - und aus der wartenden Menge erklang der berühmte Ruf aus der Endzeit der DDR.

Rund 6000 Menschen kamen zu dem Bürgertag unter dem Motto "Wissen wie es war" - darunter frühere DDR-Bürgerrechtler wie Ulrike Poppe, Günter Nooke, Rainer Eppelmann und Vera Lengsfeld. Sie begrüßten sich fast wie bei einem Klassentreffen. Der Tag erinnerte daran, dass vor 20 Jahren - im Januar 1992 - die Akten geöffnet wurden und so erste Betroffene erfuhren, wer sie bespitzelt hat. Bis heute wurden rund 2,8 Millionen Anträge auf persönliche Einsicht in Stasi-Papiere gestellt. Noch ein symbolisches Datum verband sich mit dem Bürgertag: Am 15. Januar 1990 stürmten aufgebrachte DDR-Bürger die Stasi-Zentrale.

Den ganzen Tag über stauten sich Interessierte vor dem polierten Mielke-Schreibtisch. Auch junge Menschen sahen sich auf dem mehr als 20 Hektar großen Gelände um, auf dem einst 7000 Stasi-Leute residierten. Gerade junge Menschen könnten an dem authentischen Ort sinnlich erfahren, wie die SED-Diktatur funktionierte, sagte Roland Jahn. Er will das Gelände zu einem Campus der Demokratie entwickeln. Von hier gingen die Befehle aus, mit denen die DDR-Bevölkerung von der Stasi als "Schild und Schwert" der SED unter Kontrolle gehalten werden sollte. Die bröckelnde Substanz von Haus 1 war mit elf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II saniert worden.

Bei einer Podiumsdiskussion gab es Streit über die Versetzung von 45 früheren Stasi-Leuten aus der Unterlagen-Behörde. Joachim Gauck sagte, eine solche Sanktion halte er nach 20 Jahren für nicht verhältnismäßig. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass sich mit einer Versetzung die Gefühle der oft traumatisierten Opfer ändern würden. Dafür erntete der frühere Pastor Pfiffe und Buhrufe.

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